| Geb. am: | 02. September 1878 |
| Fakultät: | Medizinische Fakultät | Medizin Universität Wien |
| Kategorie: | Vertriebene WissenschafterInnen |
Hans KÖNIGSTEIN, geb. am 2. September 1878 in Wien/Österreich-Ungarn, war Privatdozent für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit dem Titel eines außerordentlichen Professors ("Pd. tit.ao.Prof.") an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Er wohnte in Wien 1., Georg-Coch-Platz 3.
Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt, 1938 wurde seine Venia legendi widerrufen und er wurde am 22. April 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.
Seine Tochter Henriette Königstein sowie sein Sohn Leopold Königstein konnten ihre Studien nicht mehr abschließen und wurden ebenfalls von der Universität Wien vertrieben.
Hans Königstein, Sohn des Ophtalmologen Univ.-Prof. Dr. Leopold Königstein (1850-1924) hatte 1897 in Wien maturiert und anschließend an den Universitäten Wien und Bern Medizin studiert und im Juli 1903 in Wien zum "Dr. med. univ." promoviert. Er arbeitete danach in der Prosektur im Kaiser-Franz-Josef-Spital, und 1904 chirurgisch am Rudolfinerhaus und wendete sich dann der Dermatologie zu. Er wurde Aspirant, später Sekundararzt und ab 1909 Assistent an der II. Univ.-Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen Krankenhaus. 1912 wurde er Leiter Dermatologischen Station des Rothschild-Spitals der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.
Am 5. Mai 1912 heiratete er im Wiener Stadttempel Anna Catharina Wilhelmine Johanna Josefa Franziska Dukat (1882-1958), mit der er drei Kinder hatte: Josef (1913-1994), Henriette (geb. 1915) sowie Leopold (1918-1993).
1913 habilitierte er sich an der Universität Wien für Haut- und Geschlechtskrankheiten und erhielt 1927 den Titel - aber nicht die Stellung - eines außerordentlichen Professors.
Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten über die Haut und über Geschlechtskrankheiten, darunter u.a.: Urethritis non gonorrhoica bei Mann und Frau (1912) und Konstitution und Syphilis (1929); nach ihm ist bis heute die Urbach-Königstein Methode zum Nachweis von Antikörpern bei Allergien benannt.
Er musste 1938 aus Wien flüchten und es gelang ihm, mit seiner Frau nach Palästina [Israel] zu emigrieren, wo er daraufhin lebte und arbeitete.
Hans Koenigstein starb am 10. März 1954 in Tel Aviv, Israel.
Lit.: Archiv der Universität Wien/Promotionsprotokoll MED, Rigorosenprotokoll MED, Personalakt MED PA 877, Rektorat GZ 677 ex 1937/38, MED GZ 1200 ex 1937/38; MERINSKY 1980, 133; MÜHLBERGER 1993, 26; UB MedUni Wien/van Swieten Blog; BLUMESBERGER 2002, 702; REITER-ZATLOUKAL/SAUER 2023.
Herbert Posch