| Geb. am: | 11. August 1877 |
| Fakultät: | Philosophische Fakultät |
| Kategorie: | Vertriebene Studierende |
Leopold WEINBERGER, geb. am 11. August 1877 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft 1938: Österreich) als Sohn von Jacob Weinberger (1845–1911, Textilkaufmann) und Fanni Weinberger, geb. Neurath (1850–1921), war selbst Textilkaufmann und Hausbesitzer und wohnte in Wien 1, Weihburggasse 5/5. Er hatte als Externist am Bundesreal- und Obergymnasium Klosterneuburg/Niederösterreich erst im September 1931 die Reifeprüfung (Matura) abgelegt und begann anschließend im Wintersemester 1932/33 an der Universität Wien eine breite Palette an geisteswissenschaftlichen Fächer zu studieren: Latein, Griechisch, Englisch, Philosophie, Psychologie, Numismatik, Paläographie, Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren. Er war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Philosophischen Fakultät im 14. Studiensemester inskribiert und belegte Vorlesungen in Geschichte und Kunstgeschichte.
Er wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.
Leopold Weinberger legte am 15. Juli 1938 seine Vermögensanmeldung vor, die ihn als Besitzer seines Wohnhauses in der Weihburggasse 5 ausweist. Er wohnte dort im 1. Stock und im Erdgeschoss befand sich das Herrenbekleidungsgeschäft "JAWO – Kaufhaus des Herrn", dass er bereits von seinem Vater an dieser Adresse übernommen und weitergeführt hat. Im ersten und zweiten Stock befanden sich die Werkstätten und Magazine des Geschäfts und einige kleinere Wohnungen. Ein beiliegendes Verwertungsgutachten beschrieb das über 200 Jahre alte Haus detailliert, wies es als dringend renovierungsbedürftig aus, betonte aber auch den Wert der ausgezeichneten Innenstadtlage. Leopold Weinberger, damals 61 Jahre alt, konnte nicht mehr rechtzeitig aus Wien flüchten. Sein Haus, sein Geschäft und sein sonstiges Vermögen wurden enteignet.
Ende September 1942 musste er sich schließlich mit begrenztem Gepäck in einer umfunktionierten Schule in Wien 2., Malzgasse, einfinden, eine Sammelstelle für anstehende Deportationen. Im ehemaligen Schulgebäude verweilten die betroffenen Personen zwei bis drei Tage lang. Am späten Nachmittag des 1. Oktober 1942 führten offene LKWs die in der Malzgasse versammelten Menschen vor den Augen der Wiener Bevölkerung zum Aspang-Bahnhof, wo um 20.20 Uhr desselben Tags fuhr der Zug Richtung Theresienstadt losfuhr. Es war der zwölfte von 13 sogenannten „Alterstransporten“. Der Zug fuhr die ganze Nacht lang, bis er am nächsten Morgen in Bohušovice nad Ohří, in der besetzten Tschechoslowakei, sein Ziel erreichte. Schließlich erfolgte ein drei kilometerlanger Marsch unter ständiger Schikane der SS-Mannschaften in das Ghetto Theresienstadt [Terezín/Tschechische Republik]. Leopold Weinbergers wurde im Gebäude L 208 untergebracht.
Knapp zwei Wochen nach der Deportation ins Lager Theresienstadt wurde Leopold Weinberger am 19. Oktober 1942 ermordet.
An ihn wird an der Universität Wien hier im "Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938" (2009) erinnert und auch auf dem "Denkmal für die im Nationalsozialismus vertriebenen Geschichte-Studierenden und -Lehrenden der Universität Wien | Wenn Namen leuchten" (2022), im ersten Stock des Hauptgebäudes der Universität.
Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1931-1938; Österreichisches Staatsarchiv OeStA/AdR/E-uReang/FLD/13303, OeStA/AdR/E-uReang/VVSt/VA/31862; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 496; DÖW 2001; yvng.yadvashem.org; INSTITUT THERESIENSTÄDTER INITIATIVE/DÖW 2005, 414; Terezin-memorial; Herbert POSCH u. Martina FUCHS, Hg., Wenn Namen leuchten. Von der Universität Wien 1938 bis 1945 vertriebene Geschichte-Studierende und -Lehrende: ein Denkmal, Wien u. Münster 2022, 166.
Der Gedenkbucheintrag wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung "BA-Proseminar – NS-Gedenken | Denkmal | Ausstellung, Leitung: Markus Stumpf" von Michael Edinger im Wintersemester 2025/26 überarbeitet.
Michael Edinger, Herbert Posch (Text in Überarbeitung)


