Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Leo Pollak

  • Geb. am: 03. Februar 1878
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Leo POLLAK, geb. am 3. Februar 1878 in Prag, gest. 18. September 1946 in London, war 1938 Dozent für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Leo Pollak hatte am deutschen Gymnasium in Prag maturiert, an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag Medizin studiert und dort  am 22. Mai 1902 zum Dr. med. univ. promoviert. Er arbeitete anschließend in Wien an der I. Medizinischen Univ.-Klinik (Prof. Nothnagel) und an der Psychiatrisch-Neurologischen Univ.-Klinik (Prof. Wagner-Jauregg), später in Straßburg und München (Prof. Friedrich Müller) und wurde schließlich in Wien Assistent an der internen Abteilung des Wiedner Krankenhauses (Prof. Maximilian Sternberg). An der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierte er sich am 22. September 1914 für innere Medizin (Privatdozent). Am 30. Juni 1932 wurde ihm der Titel eines "a.o.Prof." verliehen.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 22. April 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben und konnte aber nach England emigrieren. Dort arbeitete an der internen Abteilung eines Londoner Spitals.

Zu Pollaks Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten zählten Pathogenese des Ödems, Gicht, Asthma bronchiale und Insulinprobleme. Er hatte noch in Wien als einer der ersten Insulin dar und testete dessen Wirkungen. Eine seiner MitarbeiterInnen am pharmakologischen Institut in Wien, Dr. Ella Flaum (geb. Féher), die für diese Forschungen direkt bei ihm angestellt war, wurde 1938 ebenfalls vom Institut und der Universität vertrieben.

Lit.: MERINSKY 1980, 197-198; UB MedUni Wien/van Swieten Blog; ÖBL.

 

Herbert Posch


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zuletzt aktualisiert am 22.09.2015

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