Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Bruno Karl Oskar Przibram (Pribram)

  • Geb. am: 11. Juni 1887
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Bruno Karl Oskar PRZIBRAM (PRIBRAM), geb. am 11. Juni 1887 in Prag/Böhmen [Praha/Tschechische Republik], war der Sohn von Richard Pribram (Prof. der Chemie, 1847-1928). Er hatte am 10. Juli 1909 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. phil. in Chemie erworben (Dissertation: 'Alkoholyse von Proteinen'). Anschließend studierte er Medizin in Wien und Berlin und promovierte 1912 an der Universität Wien zum Dr.med. Danach arbeitete er an der I. medizinischen Universitätsklinik sowie an der chirurgischen Universitätsklinik.
Während des Ersten Weltkriegs diente er in der österreichisch-ungarischen Armee und wurde bei mobilen Feldchirurgengruppen eingesetzt. Für seinen Kriegseinsatz wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Franz Joseph-Orden und dem Eisernen Kreuz II. Klasse.
Von 1918 bis 1924 war Bruno Pribram Assistent an der Chirurgischen Klinik der Charité in Berlin und habilitierte sich dort 1922 in Chirurgie. 1925 wurde er zum außerordentlichen Professor der Chirurgie berufen und leitete seit 1926 außerdem die chirurgische Abteilung des St. Hildegard-Krankenhauses in Berlin-Charlottenburg. Sein Spezialgebiet war insbesondere die Chirurgie der Bauchorgane. Er gilt als Entdecker des Novoprotins und führte damit die Proteintherapie zur Behandlung von Magen- und Darmgeschwüren ein.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wurde ihm im November 1933 die venia legendi an der Universität Berlin aus rassistischen Gründen entzogen.
Bruno Pribram emigrierte 1938 nach Großbritannien und später weiter in die USA.

Er starb in 1940 in Chicago, Illinois/USA. Zahlreiche seiner Familienmitglieder wurden Opfer des nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungsapparats, darunter sein Cousin, der Internist Hugo Pribram (1881-1943), der im Ghetto Theresienstadt [Terezín/Tschechische Republik] starb.

Am 22. Juli 1943 wurde ihm der an der Universität Wien erworbene Doktorgrad aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus 'als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig' galt.
Erst 12 Jahre nach der Aberkennung und lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad  am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für 'von Anfang an nichtig' erklärt.


Lit.: Isidor FISCHER, Biografisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre, Bd. 2, 1933; Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Bd. 2, Berlin 1931; VIERHAUS, Bd. 8 ,  2. Auflage 2007; wikipedia.


Katharina Kniefacz




zuletzt aktualisiert am 28.01.2015

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