Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

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Hans Thirring

  • Geb. am: 23. März 1888
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Hans THIRRING, geb. am 23. März 1888 in Wien, gest. am 22. März 1978 in Wien, war ordentlicher Professor für Physik an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien.

Er wurde im Nationalsozialismus aus politischen Gründen verfolgt und Anfang Dezember 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben ("zwangspensioniert").

Er kehrte 1945 wieder an die Universität Wien zurück.

 

Er hatte Mathematik und Physik an der Universität Wien studiert (promovierte 1911 zum Dr. phil., seit 1910 bereits Assistent am Institut für Theoretische Physik), 1915 habilitiert er sich und wird Privatdozent, 1921 außerordentlicher Universitätsprofessor für Theoretische Physik an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Theoretische Physik (bis 1938), ab 1927 Univ.-Prof. für Theoretische Physik. Im selben Jahr wurde sein Sohn, der spätere Physiker Walter Thirring (1927-2014) geboren.

Hans Thirring wurde durch sein Buch "Die Idee der Relativitätstheorie" international bekannt (Lense-Thirring-Effekt) und seine positive Bewertung der Einstein'schen Relativitätstheorie und seine pazifistische Grundhaltung waren mit Gründe für seine Zwangspensionierung im Nationalsozialismus 1938. In der NS-Zeit war er wissenschaftlicher Berater bei der Elin AG in Wien, anschließend bei Siemens und Halske.

1945 erhielt er seine Lehrkanzel zurück, die er bis 1958 innehatte (1947/48 und 1948/49 Prodekan der Philosophischen Fakultät). Er war von 1957 bis 1964 auch als Bundesrat im Parlament tätig (SPÖ). Er engagierte sich in der Friedensbewegung und warnte vor den Gefahren eines Atomkriegs ("Geschichte der Atombombe", 1946, "Homo sapiens", 2 Bde., 1947-49).


Lit.: ANGETTER/MARTISCHNIG 2005, 144-145; DEICHMANN 2001, 183; MÜHLBERGER 1993, 48; STADLER 2004 [1988], 1065-1074; ZIMMEL/KERBER 1992; dasrotewien.at; WIKIPEDIA.


Katharina Kniefacz




zuletzt aktualisiert am 28.06.2019

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