Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Karl Bühler

  • Geb. am: 27. Mai 1879
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Karl BÜHLER, geb. am 27. Mai 1879 in Meckesheim bei Heidelberg/Deutschland, gest. am 24. Oktober 1963 in Los Angeles/USA, Ehemann von ao. Univ.-Prof. Charlotte Bühler, war 1938 o. Prof. für Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien.

Nach dem Abitur am Katholischen Gymnasium in Tauberbischofsheim begann er 1899 ein Studium der Medizin und Philosophie an der Universität Freiburg und erwarb dort am 4. August 1903 den Grad eines Dr. med., und am 9. September 1905 – nach Studium an den Universitäten Straßburg, Berlin und Bonn – den Grad eines Dr. phil. in Straßburg.

Von 1906 bis 1909 war Bühler Assistent am Psychologischen Institut in Würzburg, wo er 1907 habilitiert und zum Privatdozenten ernannt wurde. 1909 wechselte er an die Universität Bonn und 1913 an die Universität München, wo er jeweils als Assistent tätig war. 1915 wurde er in München zum nichtbeamteten ao. Prof. ernannt. Während des Ersten Weltkriegs war er zeitweilig Stabsarzt im Heer, führte psychologische Eignungsprüfungen an Kraftfahrern und Fliegern durch und betreute Hirnverletzte. 1918 wurde er o. Prof. für Philosophie und Pädagogik an der Technischen Hochschule Dresden.
1922 wurde Karl Bühler als o. Prof. an die Universität Wien berufen, wo er das Psychologische Institut aufbaute und leitete. 1927/28 war er als Gastprofessor an den Universitäten Stanford, Johns Hopkins und Harvard in den USA tätig, 1929 in Chicago.

Bühler wurde im Nationalsozialismus aus politischen Gründen verfolgt und im Mai 1938 seines Amtes enthoben, zwangspensioniert (1939 Ruhegenuß aberkannt) und von der Universität Wien vertrieben. Er wurde noch im Frühjahr 1938 für mehrere Monate inhaftiert, konnte aber 1939 über  Oslo/Norwegen nach Los Angeles/USA emigrieren. 1940 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde Professor für Psychologie am St. Scholastica College in Duluth, Minnesota und lehrte daneben auch am College of St. Thomas, St. Paul, Minnesota. 1945 wechselte er als Assistant Clinical Professor of Psychiatry an die Medical School der University of Southern California, Los Angeles und wurde anschließend für zwei Jahre Consulting Psychologist am Cedars of Lebanon Hospital in Los Angeles.


Lit.: MÜHLBERGER 1993, 38; Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich; Achim ESCHBACH, Karl Bühler, Tübingen 2006; Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; GEUTER 1986, 150f.; Thomas SCHREIBER, Karl Bühler. Sein Leben und Werk, 2009.


Katharina Kniefacz




zuletzt aktualisiert am 11.02.2019

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