Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Rudolf Allers, geb. Abeles

  • Geb. am: 13. Jänner 1883
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Rudolf ALLERS, geb. ABELES, geb. am 13. Jänner 1883 in Wien, gest. am 14. Dezember 1963 in Hyattsville/Maryland, war Privatdozent für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er erwarb am 22. Dezember 1906 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. med., war ab 1907 Assistent an einem Laboratorium für biologische Chemie in Wien und anschließend an Kliniken in Prag und München tätig, bis er 1913 für Psychiatrie in München habilitiert wurde und Privatdozent wurde.
Während des Ersten Weltkriegs diente Allers als Chirurg in der österreichisch-ungarischen Armee. Er heiratete und konvertierte zum katholischen Glauben.

Ab 1918 war Rudolf Allers Dozent für medizinische Psychologie und Sinnesphysiologie und Leiter der Abteilung für medizinische Psychologie und Sinnesphysiologie am Institut für Physiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.
In den 1920er Jahren pflegte er engen Kontakt zur Individualpsychologischen Schule um Alfred Adler, hielt etwa zwischen 1923 bis 1925 Vorträge bei Vereinssitzungen und 1923 einen Kurs im Rahmen der Erwachsenen Fortbildung "Urania" 1923. Ab 1926 leitete er eine Erziehungsberatungsstelle im Caritas-Verband.Im Rahmen des neugegründeten Vereins für Individualpsychologie gründete Allers Ende 1925 gemeinsam mit Karl Novotny eine Medizinische Fachgruppe und nahm an den Psychotherapie-Kongressen 1926 und 1927 teil.
Anlässlich der Buchpräsentation von Oswald Schwarz' Pionierwerk zur Psychosomatik kam es 1927 zum Bruch mit Adler. Schwarz wurde dabei von einer oppositionellen, marxistisch orientierten Gruppe um Manés Sperber als Reaktionär angegriffen. Als Adler die Angegriffenen nicht unterstützte, verließ Allers gemeinsam mit Schwarz die Veranstaltung und trat aus dem Verein für Individualpsychologie aus.

Nach 1927 wandte sich Rudolf Allers in seinen Schriften verstärkt der katholischen Religion zu und suchte diese mit Ideen der Individualpsychologie und der Psychotherapie zu verbinden. Seine Werke waren zunehmend von einer ideologischen Ausrichtung an der katholischen Kirche geprägt.

1934 erwarb er an der Universität Mailand/Italien auch den Grad eines Dr. phil. Er konnte auch während des Austrofaschismus mit erzbischöflicher Erlaubnis publizieren.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 22. April 1938 seines Amtes enthoben, seine Venia legendi wurde stillgelegt und er von der Universität Wien vertrieben.
Nach dem "Anschluss" 1938 konnte Rudolf Allers in die USA emigrieren, wo er noch im selben Jahr Professor für Philosophie und Psychologie an der Catholic University of America in Washington, D.C. wurde. 1948 wechselte er als Professor für Philosophie an die Georgetown University in Washington, D.C..


Lit.: GEUTER 1986, 253; Alfred LÉVY, Rudolf Allers - ein katholischer Individualpsychologe, in: LÉVY/MACKENTHUN 2002, 27-36; MERINSKY 1980, 5-6; UB MedUni Wien/van Swieten Blog; WIKIPEDIA.; WIKIPEDIA; WIEN-WIKI.


Katharina Kniefacz




zuletzt aktualisiert am 02.02.2018

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