Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Alfred Fröhlich

  • Geb. am: 15. August 1871
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Alfred FRÖHLICH, geb. am 15. August 1871 in Wien, war 1938 emeritierter ausserordentlicher Professor mit dem Titel eines ordentlichen Professors für Pharmakologie und war Privatdozent für experimentelle Pathologie. Er wohnte in Wien 19., Gymnasiumstraße 58.

Er war der Sohn des Unternehmer Siegmund Fröhlich (1832-1904) und der Franziska Fröhlich, geb. Hermann (1847-1908), hatte 1895 an der Universität Wien zum "Dr. med. univ." promoviert, assistierte und hospitierte bis 1902 an verschiedenen Kliniken, bildete sich in England an den Departments for Physiology der Universitäten Liverpool (1901-1904) und Cambridge (1904-1905) weiter, habilitierte sich 1906 für experimentelle Pathologie in Wien und wurde Assistent am Pharmakologischen Institut bei Prof. Hans Horst Meyer und Ernst Peter Pick [34411]. 1908/1910 habilitierte er sich auch für Pharmkologie.
Er war in erster Ehe 1899 verheiratet mit Jenny Fröhlich (1879-1939), nach der Scheidung 1910 konvertierte er im Oktober 1910 vom Judentum zum Protestantismus (evangelisch AB) und heiratete 1916 in zweiter Ehe die Künstlerin Adelheid Ida Charlotte, geb. Freiin von Tiesenhausen (1893-1985).
1912 wurde er zum ausserordentlichen Professor (ao. Prof.) für Pharmakologie ernannt, 1923 erhielt er den Titel eines ordentlichen Professors" (ao. Prof, tit. o. Prof.) und emeritierte 1936.

Nach dem "Anschluss" wurde er aus rassistischen Gründen entlassen und musste die Universität Wien verlassen.

Es gelang ihm, 68jährig, 1939 in die USA zu flüchten und er arbeitete am May Institute for Medical Research des Jewish Hospital of Cincinnati, ein Department der University of Cincinnati, Ohio, und am Marine Biological Laboratoriy (MBL) in Woods Hole, Massachusetts.

Er arbeitete u. a. auf dem Gebiet des vegetativen Nervensystems, entdeckte 1901 das nach ihm benannte Fröhlich-Syndrom (Dystrophia adiposo-genitalis Fröhlich, eine sich kurzfristig entwickelnde Fettsucht bei Kindern verbunden mit Wachstumsstörungen durch hormonelle Störungen) und gemeinsam mit Οtto Loewi die Kokainsensibilisierung durch Adrenalin. Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge, u.a. Handbuch der experimentellen Pharmakologie (Berlin, 1923).

Er starb am 22 März 1953 in Cincinnati, Ohio/USA.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Personalblatt S 304.315, Rektorat GZ GZ 680 I ex 1937/38, GZ 691 ex 1937/38, Personalstand 1935/36; ÖSTtA/AdR/E-uReang/VVSt/VA/25860, ÖSTtA/AdR/E-uReang/FLD 5344, RÖDER 1983, 344; STADLER I 2004 [1988], 376, 393; BLUMESBERGER 2002, 388; GAUGUSCH 2011, 796f.; FISCHER 1932/1933; Nachruf in: Science, 1953, 118 (Nr. 3064), 314 und in: Wiener klinische Wochenschrift, 1953, 56(16), 306.


Herbert Posch




zuletzt aktualisiert am 23.05.2020

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