Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Ernst Peter Pick

  • Geb. am: 18. Mai 1872
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Ernst Peter PICK, geb. am 18. Mai 1872 in Jaromer, gest. am 15. Jänner 1960 in New York, USA, war o. Professor für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.
Nach dem Studium an der Prager Deutschen Universität promovierte er 1896 zum Dr. med., arbeitete anschließend am physiologisch-chemischen Institut in Straßburg und von 1899 bis 1911 als Assistent von Richard Paltauf sowie später als Chef der Biochemischen Abteilung am Serotherapeutischen Institut der Universität Wien. 1904 wurde er für angewandte medizinische Chemie an der Universität Wien habilitiert und 1912 außerordentlicher Professor. 1911 wurde er außerdem Assistent am Pharmakologischen Institut als Assistent von Hans Horst Meyer, habilitierte sich 1919 für experimentelle Pharmakologie und Toxikologie und war ab 1924 Ordinarius für Pharmakologie an der Universität Wien, Leiter des Pharmakologischen Instituts sowie Direktor der experimentell pharmakologischen Untersuchungsanstalt, 1932/33 auch Dekan der Medizinischen Fakultät. 1924 erhielt er den Ignaz L. Lieben-Preis für Pharmakologie. Seine wichtigsten Arbeitsgebiete waren Serologie, Chemie der Antigene und Immunitätslehre.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 28. Mai 1938 seines Amtes enthoben, zwangspensioniert und von der Universität Wien vertrieben.

Seine Wohnung wurde durch die Gestapo durchsucht, er wurde festgenommen und vorübergehend inhaftiert. 
Er emigrierte über Paris/Frankreich nach New York/USA, wo er seine Forschungsarbeiten weiterführen konnte. Ernst Pick arbeitete bis 1946 als Clinical Professor an der Columbia University und war1945 Mitbegründer der Austrian University League of America, eine Vereinigung österreichischer Wissenschafter, die sich für die Interessen der österreichischen Hochschulen und für emigrierte österreichische AkademikerInnen engagierte. Das Angebot der Universität Wien, 1946 eine Honorarprofessur für Pharmakologie zu übernehmen, lehnte Pick ab. Er arbeitete als Associated Pharmacologists am Mount Sinai Hospital und als Berater für das Merck Research Institut. 

1952 verlieh ihm die Medizinische Fakultät der Universität Wien den Ehrendoktortitel, 1957 wurde ihm die Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Lit.: ARIAS, Ernst Peter Pick in: ARIAS 2008; Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Österreichischen Akademie der WissenschaftenMERINSKY 1980, 192-194; SOUKUP 2004UB MedUni Wien/van Swieten Blog; 100 Jahre Österreichische Krebshilfe 2010, 47.

 

Katharina Kniefacz




zuletzt aktualisiert am 20.06.2015

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