Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Karl (Charles) Schmidt (Smith)

  • Geb. am: 22. Juli 1888
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Karl SCHMIDT (später: Charles SMITH), geb. am 22. Juli 1888 in Wien, gest. am 2. Juli 1985, war 1938 Privatdozent für Volkswirtschaftspolitik an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Karl Schmidt begann nach seiner Matura (Reifeprüfung) am Staatsgymnasium Wien III 1907 an der Universität Wien Rechtswissenschaften zu studieren und promovierte im Juli 1912 zum "Dr. jur.", absolvierte die Gerichtspraxis und war im Ersten Weltkrieg ab Oktober 1915 beim Landwehrdivisionsgericht tätig.
Nach 1918 arbeitete er als Rechtsanwaltsanwärter und beschäftigte sich mit dem Thema des bäuerlichen Übergabevertrags und Ausgedinges und habilitierte sich zu diesem Themenbereich 1920 für Volkswirtschaftspolitik mit der Arbeit "Gutsübergabe und Ausgedinge, eine agrarpolitische Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung der ehemaligen Alpen- und Sudetenländer". Er lehrte als Privatdozent für Volkswirtschaftspolitik bis zum Wintersemester 1937/38 "Industrielle Organisationsproblem", "Neuere Wirtschaftspolitik und ihre Aufgaben gegenüber Monopolbildung mit Kapitalakkumulation" und andere volkswirtschaftliche Themen. Er wohnte in Wien 19., Blaasstraße 30.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 8. April 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.

Karl Schmidt konnte 1941 in die USA emigrieren, kehrte nach 1945 wieder nach Österreich zurück, lehrte von 1949 bis 1953 wieder an der Universität Wien, lebte aber ab 1949 vermutlich in der Schweiz.

Er starb am 2. Juli 1985.


Lit.: Archiv der Universität Wien/IUR Promotionsprotokoll M 32.7, Nr. 23, IUR Personalakt J PA 394, IUR Personalblatt S 304.1131, Personalstand der Universität Wien 1937/38, 17; MÜHLBERGER 1993, 16; BLUMESBERGER 2002, 1214; OLECHOWSKI/EHS/STAUDIGL-CIECHOWIC 2014, 577f., 761.


Herbert Posch

 

 


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zuletzt aktualisiert am 11.05.2020

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