Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Alfred Francis Pribram

  • Geb. am: 01. September 1859
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Alfred Francis Přibram, geb. am 1. September 1859 in London als Sohn von Heinrich Přibram (Kaufmann) und Sophie, geb. Wehle. Er studierte an der Universität Wien 1878-1882 Geschichte und Philosophie und absolvierte ab 1881 auch den Ausbildungskurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Er promovierte 1882 in Geschichte zum "Dr.phil.". 1887 habilitierte er sich und wurde Privatdozent für allgemeine neuere Geschichte an der Universität Wien, 1894 ao. Professor, 1900 tit. o. Prof. und 1913 o. Prof. für mittlere und neuere Geschichte.
1919 wurde er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zwischen 1921 und 1924 unternahm Přibram Vortragsreisen nach England und übernahm Gastprofessuren an der Stanford University (1926) und (1927/28) an der Harvard University in den USA.

Forschungsschwerpunkt war u. a. die österreichische Geschichte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, die Persönlichkeit, Politik und Zeit Kaiser Leopolds I. der er einige kritische Quellenuntersuchungen und Monografien widmete, z.B. Franz Paul Freiherr von Lisola 1613–1674 und die Politik seiner Zeit (1894). Im Zuge der Edition und Bearbeitung der politischen Geheimverträge Österr.-Ungarns zwischen 1879 und 1914 Beschäftigte er sich auch mit den tieferen Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges womit er internationale Anerkennung fand mit Werke wie: Österreichische Staatsverträge (1907–1913), Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien 1526–1847 (1918), Die politischen Geheimverträge Österreich-Ungarns 1879–1914 (1920), Austrian Foreign Policy 1908–18 (1923). Přibram war Österreich-Repräsentant der Rockefeller Foundation und zwischen 1924 bis 1928 allein für die Auswahl der österreichischen Stipendiaten zuständig. Seit 1930 war er Mitglied der English Historical Society.

1930 emeritierte Přibram an der Universität Wien. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde Přibram durch Erlass des Bundesministeriums für Unterricht vom 22. April 1938 von der Universität Wien die Lehrberechtigung entzogen. Im Dezember 1938 erklärte Přibram seinen Austritt aus der Akademie der Wissenschaften, um einem Ausschluss zuvorzukommen.

Anfang 1939 konnte er nach Großbritannien zu seinen dort lebenden Söhnen emigrieren und war 1939-1942 noch als Professor an der Londoner School of Economics tätig.

Alfred Francis Přibram starb am 7. Mai 1942 in London.

 

Lit.: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.; RÖDER 1983, 927; ÖBL 1981, 275; BLUMESBERGER 2002, 1076f.; Christine ZOUZELKA, Alfred Francis Pribram (1859–1942). Leben und Werk als Historiker, Dissertation, Universität Wien 1969; Friedrich ENGEL-JANOSI, … aber ein stolzer Bettler, 1974; Christian FLECK, Transatlantische Bereicherungen, Frankfurt am Main 2007, 73-79, 167–179; FRÖSCHL/MÜLLER/OLECHOWSKI/SCHMIDT-LAUBER 2015, 315.

 

Herbert Posch




zuletzt aktualisiert am 01.02.2019

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