Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Ephraim (Efraim) Racker

  • Geb. am: 28. Juni 1913
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Ephraim (Efraim) RACKER, geb. 28. Juni 1913 in Neu Sandez [Nowy Sacz]/Polen, gest. 9. September 1991 in Syracuse, New York/USA, Sohn von Meier Racker und Ella geb. Spira, studierte zunächst an der Akademie der Künste in Wien und wechselte später an die Medizinische Fakultät der Universität Wien.

Er war 1938 nicht mehr an der Medizinischen Fakultät inskribiert, sondern befand sich bereits im Stadium der Abschlussprüfungen. Er konnte, nach längerer Unsicherheit, doch noch sein Studium abschließen und am 21. Juli 1938 unter zahlreichen symbolischen Diskriminierungen im Rahmen einer 'Nichtarierpromotion' promovieren, bei gleichzeitig ausgesprochenem Berufsverbot im gesamten Deutschen Reich.
Sein älterer Bruder Heinrich Racker, der ebenfalls an der Medizinischen Fakultät studierte, wurde 1938 auch von der Universität Wien vertrieben.

Efraim Racker konnte noch 1938 über Dänemark nach Großbritannien emigrieren, wo er 1938-1940 Assistent in Biochemie am Cardiff City Mental Hospital in Wales wurde und Schizophrenie forschte. Als er nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als "enemy alien" eingestuft wurde, verlor er seine Stelle und wurde auf der "Isle of Man" interniert.
Er entschied, in die USA zu emigrieren, wo er 1941 ankam und zunächst für ein Jahr Research Associate am Physiology Department der University of Minnesota in Minneapolis wurde und über Polio forschte. 1942 wechselte er als Resident Physician an das Harlem Hospital in New York, wo er Pneumonie-Forschungen betrieb. 1944 wurde Racker Mitarbeiter des Microbiology Department an der New York University Medical School, wo er bis zum Associate Professor aufstieg.
Efraim Racker heiratete 1945 Franziska Weiss, die ebenfalls in Wien aufgewachsen, Medizin studiert hatte, 1938 noch im Rahmen einer "Nichtarierpromotion" promovieren und 1940 in die USA emigrieren hatte können. Ihre gemeinsame Tochter Ann Myra (verh. Costello) wurde geboren und sie wurden 1947 US-amerikanische Staatsbürger.
1952 wurde er Associate Professor an der Yale Medical School in New Haven, zog aber bereits 1954 wieder nach New York, um dort Leiter des Nutrition and Physiology Department am Public Health Research Institute of New York City zu werden. 1966 wurde Efraim Racker in die US National Academy of Sciences gewählt und die Familie übersiedelte ein letztes Mal, als er Albert Einstein Professor für Biochemie und Molekularbiologie an der Cornell University in Ithaca, New York wurde. Dort baute er ein Department für Biochemie auf, das er bis 1970 leitete. Er erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, darunter 1976 die National Medal of Science.

Efraim Racker starb am 9. September 1991 in Syracuse an den Folgen eines Herzinfarkts.


Lit.: POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 125f., 453; POSCH 2009, 239, 370f.; freundliche Hinweise seiner Tochter Ann Racker Costello, USA, 2014; Douglas ALLCHIN, Efraim Racker, in: New Dictionary of Scientific Biography (2007) [pdf]; Cornell University Library; Andre T. JAGENDORF, June Fessenden MACDONALD, Peter HINKLE: Efraim Racker (June 28, 1913-September 9, 1991), Cornell University Faculty Memorial Statement, 1991; Peter HINKLE, Efraim Racker, in: Journal of Bioenergetics and Biomembranes 5/24 (1992), 517-519; Nachruf in New York Times, 13. September 1991; Chris MILLER, Efraim Racker, in: Journal of Membrane Biology 2/125 (1992), 95-98; Franziska RACKER u. Efraim RACKER: Resolution and Reconstitution. A Dual Autobiographical Scetch. In: Semenza, G. (Hg.), Of Oxygen, Fuels and Living Matter, Part 1. Chichester u.a. 1981, 265-287; Gottfried SCHATZ, Efraim Racker, in: National Academy of Sciences (Ed.), Biographical Memoirs 70 (1996).


Katharina Kniefacz


Dokumente

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zuletzt aktualisiert am 12.03.2019

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