Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Friedrich Pick

  • Geb. am: 5. Jänner 1912
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Friedrich PICK, geb. am 5. Januar 1912 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Dr. med. Karl Pick (1869-1941, Arzt), wohnte in Wien 8, Albertgasse 54. Er hatte in Wien eine Maschinenbauschule absolviert und am 10. Februar 1936 als Externist die Reifeprüfung (Matura) abgelegt und begann daraufhin im Sommersemester 1936 an der Universität Wien Medizin zu studieren. Er war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Medizinischen Fakultät im 4. Studiensemester inskribiert (Wintersemester 1937/38 wurde ihm am 15. Februar 1938 als gültig angerechnet).

Er wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Er konnte, nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen, nicht mehr rechtzeitig aus Wien fliehen und wurde gemeinsam mit seinem Vater Dr. Karl Pick, der zum "jüdischen Krankenbehandler" degradiert worden war, am 26. Februar 1942 nach Opole/Polen deportiert, wo sein Vater wenige Tagen nach der Ankunft im Ghetto am 5. März 1941 aus Erschöpfung starb. Er selbst überlebte mehrere Ghettos, Arbeits- und Konzentrationslager - Traunkirchen, Mitterweissenbach, Opole, Deblin, Janow, Modliborcycze, Plaszow, Flossenbürg. Sein älterer Bruder, Dr. Franz Pick (geb. 13. Juni 1902), der bereits 1926 sein Medizinstudium abgeschlossen hatte, war noch rechtzeitig aus Wien nach Holland geflüchtet, wurde nach der Besetzung aber dort verhaftet und ebenfalls in das Konzentrationslager Auschwitz [Oświęcim]/Polen deportiert. Er überlebte und arbeitete nach dem Krieg zuerst in der Forschung im Institut Pasteur, Paris/Frankreich, war danach in Uruguay Universitätsprofessor für Tropenmedizin, kehrte aber später wieder nach Wien zurück und arbeitete als praktischer Arzt bei der Wiener Gebietskrankenkasse.

Friedrich Pick kehrte nach dem Ende des Nationalsozialismus nach Österreich zurück, konnte sein Medizinstudium fortsetzen und promovierte am 8. Februar 1951 an der Universität Wien zum "Dr.med.univ." und arbeitete nach Abschluss der Facharztausbildung für Röntgenologie ab 1959 als Arzt und Gerichtssachverständiger. Ende 1975 ging er in Pension.
Er war verheiratet und hatte eine Tochter.

Dr. Friedrich Pick starb am 25. Juli 1983 in Wien.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale MED 1937-1938; Promotionsprotokoll MED 1949-1954 Nr. 2952; freundlicher Hinweis seiner Tochter, Hofrätin Mag.a Marlies Pick, Wien 2019 und Dr.in Barbara Sauer, Wien 07/2020, www.genteam.at; Yad Vashem | Shoah Victims' Names.


(in Bearbeitung) Herbert Posch


Dokumente

Friedrich Pick, Nationale Medizinische Fakultät, Wintersemester 1937/38, 1. Formular, Vorderseite, (Foto: Herbert Posch), © Archiv der Universität WienFriedrich Pick, Nationale Medizinis...
Friedrich Pick, Nationale Medizinische Fakultät, Wintersemester 1937/38, 1. Formular, Rückseite, (Foto: Herbert Posch), © Archiv der Universität WienFriedrich Pick, Nationale Medizinis...
Friedrich Pick, Studentenausweis 1936, © HR Mag.a Marlies Pick, WienFriedrich Pick, Studentenausweis 19...
Friedrich Pick, Meldungsbuch 1949, "geschädigter Hochschüler", © HR Mag.a Marlies Pick, WienFriedrich Pick, Meldungsbuch 1949, ...



zuletzt aktualisiert am 02.08.2020

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