Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Bruno Roedl

  • Geb. am: 15. November 1906
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Bruno Adolf ROEDL, geb. am 15. November 1906 in Wien, hatte am 17. Juli 1930 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. iur. erworben. Seit Oktober 1937 war er in die Wiener Rechtsanwaltsliste aufgenommen worden, hatte eigene Rechtsanwaltskanzlei in Wien 6., Mariahilfer Straße 105, und wohnte in Wien 3., Ungargasse 22/I/7.

Er galt nach den NS-Rassegesetzen zwar als "Arier", aber seine damalige Verlobte und späteren Ehefrau Martha Glaser, geb. Freund (geb. 1896) galt als "Jüdin" und musste das Land verlassen, eine Heirat wäre nach den NS-Rassegesetzen verboten gewesen. Er reiste deshalb am 8. August 1939 in die Schweiz aus (seine Verlobte war bereits im September 1938 nach England geflüchtet). Wie er im Opferfürsorgeantrag 1957 angibt, erfolgte die Ausreise auch "aus Protest gegen Hitler und der Weigerung für seine Ideen zu kämpfen". Bruno Rödl lebte dann die nächsten Jahre in Engelberg, teilweise in Anhaltelagern, da er nach Kriegsausbruch nicht mehr nach England weiterreisen konnte - er konnte seine spätere Frau erst nach Kriegsende wieder treffen.

Nachdem er sich mehrfach Aufforderungen zur Rückkehr ins Deutsche Reich widersetzt hatte, wurde er Anfang Dezember 1944  ausgebürgert (verlautbart im Deutschen Reichsanzeiger vom 9. Dezember 1944) woraufhin ihm am 18. Januar 1945 auch von der Universität Wien der akademische Grad Gründen aberkannt wurde, da er im Nationalsozialismus "als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig" galt.

Bruno Rödl lebte bis 1946 in der Schweiz, von 1946 bis 1948 aber auch in London, England, bei seiner Verlobten. Nachdem er am 30. Dezember 1947 in der Züricher U.S.-Botschaft sein Einreisevisum erhalten hatte, emigrierte er am 21. April 1948 mit der SS Nieuw Amsterdam von Southampton, England/Großbritannien Richtung USA, wo er am 27. April 1948 in New York City, NY ankam. Seine Verlobte Martha Glaser, geb. Freund, emigrierte dann im Dezember 1938 von London aus erst nach Kanada und im Mai 1949 ebenfalls in die USA.

Ab August 1949 lebten Bruno und Martha Roedl dann gemeinsam in 635 Highland Ave, Gettysburg, PA, beide erhielten die U.S. Staatsbürgerschaft und er arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1973 als administrativer Leiter der Gettysburg Shoe Company.

Bruno A. Roedl starb am 5. Februar 1999 in New York/USA.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale IUR, Promotionsprotokoll IUR 1924-1939 Nr. 1654, , Rektorat GZ 151 ex 1942/43 (= S 127.9) ONr. 139-141; Österreichisches Staatsarchiv ÖStA/AdR/E-uReang/AHF, /NHF; POSCH 2009, 466; Deutscher Reichsanzeiger vom 9. Dezember 1944, 354. Ausbürgerungsliste Nr. 79; www.ancestry.de; freundlicher Hinweis von Dr.in Barbara Sauer, Wien 01/2022.


Herbert Posch


Dokumente

Bruno Rödl, Doktorgradaberkennnung 1944, © Archiv der Universität WienBruno Rödl, Doktorgradaberkennnung...
Bruno Rödl, Doktorgradaberkennnung 1945, © Archiv der Universität WienBruno Rödl, Doktorgradaberkennnung...



zuletzt aktualisiert am 16.01.2022

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