Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Max Strassberg

  • Geb. am: 15. Juni 1886
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Max STRASSBERG, geb. am 15. Juni 1886 in Wien als Sohn von Jacob Schia Strassberg (Immobilientycoon und Vorstandsmitglied des Tempelvereins der Favoritner Israelitischen Kultusgemeinde, gest. 1939) und der Amalia, geb. Haber.

Er hatte am 15. Mai 1911 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien promoviert und den Grad eines "Dr. med." erworben, arbeitete als Arzt in Wien und heiratete kurz darauf, am 23. Juni 1912 im Türkischen Tempel in Wien 2., Zirkusgasse 22 Masal (Mathilde Mizzi) Albala (die Ehe wurde aber am 4. Februar 1930 im Bezirksgericht Wien-Margarethen wieder aufgelöst).
Später arbeitete Max Strassberger dann als Arzt in Ägypten - er hatte sich bereits 1933 dauerhaft aus Wien nach Ägypten abgemeldet und mutmaßlich auch in Griechenland, allenfalls in Thessaloniki, was bislang aber nicht quellenmäßig abgesichert werden konnte.

Trotzdem - bzw. deswegen - wurde er als Jude aus dem Dritten Reich zwangsausgebürgert und am 14. Juli 1942 wurde ihm daraufhin auch der akademische Grad an der Universität Wien aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus "als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig" galt.

Erst 13 Jahre nach der Aberkennung und lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für "von Anfang an nichtig" erklärt - ein Formalakt, der "Reservat" gehalten wurde und er wurde davon auch nicht in Kenntnis gesetzt.

Seine jüngere Schwester, Anna Netty Strassberg-Huttrer und ihr Mann, Manfred Huttrer, treten am 25. November 1938 aus der israelitischen Kultusgemeinde aus (Vermerk: griech.-kathol. getauft), und versuchen aus Österreich zu flüchten – erst 1940 gelingt es Ihnen mit Hilfe des JOINT und Frederic S. Strassberg als Depositzahler in die USA zu emigrieren. Sie kehrte 1969 aus den USA wieder nach Wien zurück und starb hier im Dezember 1973 und ist in der griechischen Abtlg. des Zentralfriedhofs begraben.

Sein Bruder Dr. jur. Bernhard Heinrich Strassberg (geb. 1882 in Lemberg, Galizien [Lviv/Ukraine]) promovierte an der Universität Wien am 14. Juli 1905 zum "Dr. jur." und wurde 1914 in die Rechtsanwaltsliste Wien eingetragen (Kanzlei: Wien 1., Goldschmiedgasse 8), 1938 aus rassistischen Gründen aus der Rechtsanwaltsliste gelöscht nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Seine Ehefrau Alice starb in Theresienstadt.

Über das weitere Leben und Arbeiten von Dr. Max Strassberg ist bisher nur wenig bekannt.


Lit.: POSCH 2009, 482; SAUER/REITER-ZATLOUKAL 2010, 335; Archiv der Universität Wien, Nationale 1937-1938, Promotionsprotokoll MED (1904–1912) Nr.: 1296, GZ 118/31 ex 1941/42, GZ 561/15 ex 1944/45; freundlicher Hinweis Dr.in Ruth Heidrich-Blaha, Wien 2012 und 2019, sowie von Dr.in Barbara Sauer, Wien 2019; REITER-ZATLOUKAL/SAUER 2019; www.genteam.at; Ausbürgerungsliste verlautbart im Dt. Reichsanzeiger Nr. 119 vom 24. Mai 1941.


Herbert Posch


Dokumente

Max Strassberg, Ausbürgerungsbescheid und Aufforderung zur doktoratsaberkennung 1941 (c) Archiv der universität WienMax Strassberg, Ausbürgerungsbesch...
Mac Strassberg, Doktorgrad-Aberkennungsbescheid 1942 (c) Archiv der universität WienMac Strassberg, Doktorgrad-Aberkenn...



zuletzt aktualisiert am 15.09.2020

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