Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Kurt Sgalitzer

  • Geb. am: 16. April 1915
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Kurt SGALITZER, geb. am 16. April 1915 in Prag/Tschechoslowakei [Praha/Tschechien] (heimatberechtigt in Baden bei Wien/Niederösterreich, Staatsbürgerschaft: Österreich), war ein Sohn von Dr. med. Oskar Sgalitzer (1887-1981) und dessen Frau Johanna geb. Brandl (1892-1972). Sein Vater war als praktischer Arzt sowie als Leiter und Besitzer des Sanatoriums Esplanade in Baden tätig. Die Familie wohnte in Baden, Rainergasse 4.
Während seines Studiums an der Universität Wien wohnte Kurt Sgalitzer in Wien 7, Neustiftgasse 19.

Er war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 10. Studiensemester inskribiert und wurde im Sommersemester 1938 im Rahmen des Numerus clausus für jüdische Studierende vorerst noch zum Weiterstudium bis zum Semesterende zugelassen, doch wurde er bald aus rassistischen Gründen von der Universität Wien vertrieben - wie auch sein Onkel, der Radiologe ao. Univ.-Prof. Dr.med. Max Sgalitzer (1884-1973) wie auch dessen Töchter, seine Cousinen Gerda Sgalitzer (geb. 1913) und Elisabeth Sgalitzer (1918-2016), die an der Universität Wien bis zum "Anschluss" Medizin bzw. Kunstgeschichte studiert hatten.

Kurt Sgalitzer ging zu seinen Eltern nach Prag. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei im März 1939 floh er mit seinen Eltern und seiner Schwester aus Prag mit dem Ziel Palästina [Israel]. In Sulina, Rumänien bestiegen sie das Schiff SS Frossoula, einen "illegalen Transport" und wechselten Monate später im Mittelmeer auf einen anderen illegalen Transport, die SS Tiger Hill und erreichte schließlich das Ziel: Palästina. Kurt Sgalitzer ging an die Hebrew University, unklar ob im Bereich Forschung oder Lehre, und er publizierte auch einige Artikel, zuletzt 1941 "Contribution to the Study of the Morphogenesis of the Thyroid Gland". Er konnte sich aber nicht dauerhaft auf die neuen Verhältnisse einstellen und beging am 30. Juni 1941 Suizid.


Lit.: geni.com; freundlicher Hinweis von Nitra Hillyer, USA, September 2018; zu den Eltern Oskar und Johanna Sgalitzer: Jewish History Baden und Liste "Juden in Niederösterreich" (doc), dort zitierte Quelle: Niederösterreichisches Landesarchiv (NÖLA), VerzüJV, Karton 1333.

 

Katharina Kniefacz, Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Kurt Sgalitzer, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Kurt Sgalitzer, Winte...
Nationale von Kurt Sgalitzer, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Kurt Sgalitzer, Winte...
Nationale von Kurt Sgalitzer, Sommersemester 1938 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Kurt Sgalitzer, Somme...
Nationale von Kurt Sgalitzer, Sommersemester 1938 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Kurt Sgalitzer, Somme...



zuletzt aktualisiert am 30.09.2018

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