Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Max Gottfried Riccabona

  • Geb. am: 31. März 1915
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Max Gottfried RICCABONA, geb. am 31. März 1915 in Feldkirch/Vorarlberg (heimatberechtigt in Feldkirch/Vorarlberg, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Gottfried Riccabona (Rechtsanwalt), wohnte in Wien 9, Boltzmanngasse 16, war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Juridischen Fakultät im 7. Studiensemester inskribiert.
Sommer 1932 bis Anfang 1933 Sanatoriumsaufenthalt in Davos wegen TBC. 1934 Matura. Ab 1934 Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Graz, Mitglied der CV-Verbindung Traungau; Studiensemester auch in Paris, Cambridge, Salamanca, Perugia. 1936-38 Konsularakademie Wien, Studienabschluss: Diplomkonsul. Durch österreichischen Gesandten in Paris für den politischen Nachrichtendienst herangezogen; Arbeit auch für englischen und französischen Geheimdienst und für den Vatikan. Unter Pseudonym "Spectator alpinus" politische Beiträge, u. a. im "Manchester Guardian". Kurier für die monarchistische Widerstandsbewegung. Aufenthalte in Franco-Spanien (beteiligt an Versuchen, Franco-Spanien von einem Bündnis mit Hitlerdeutschland abzuhalten). 1939 als Kurier in Paris im Café Tournon Bekanntschaft mit Joseph Roth. Rückkehr nach Wien, um das Studium abzuschließen; 1940 zur Wehrmacht eingezogen, Einsätze in Frankreich und im Kriegsgefangenenlager Kaisersteinbruch bei Wien. 1941 als "asthenischer Psychopath" aus der Wehrmacht entlassen. Der Gestapo von einem Spitzel denunziert, wird er am 28. Juni 1941 in Wien verhaftet, weil er 1939 in Paris an einem Treffen mit Otto Habsburg teilgenommen hat. Nach Salzburg überstellt, schreibt er im Polizeigefängnis seine ersten Gedichte. 1942 ins KZ Dachau eingeliefert. Kontakte zu Viktor Matejka, Leopold Figl, Nico Rost. Frühjahr 1945 Infektion mit Flecktyphus. Im April 1945 befreit.
Mai 1945 Rückkehr nach Vorarlberg, Vorsitzender der Landesgruppe Vorarlberg der 'Österreichischen demokratischen Freiheitsbewegung'. 1949 Abschluss Jus-Studium in Innsbruck. Tätigkeit in der Rechtsanwaltskanzlei des Vaters. Seit 1957 Arbeit an 'Tragikomödie des x-fachen Dr. von Halbgreyffer', teilweise veröffentlicht 1980 und 1993. Betätigt sich auch als Collage-Künstler. 1967 aufgrund der Gesundheitsschäden, die er sich in der Haft zugezogen hat, vorzeitig in den Ruhestand; lebte seitdem im Pflegeheim Lochau bei Bregenz, dort gestorben am 4. Oktober 1997. Mehrere Versuche, die KZ-Erinnerung literarisch zu bewältigen. 1977-94 mehrere Veröffentlichungen in der Wiener Literaturzeitschrift 'Freibord'.

Lit.: BOLBECHER/KAISER 2000, 538f.


Dokumente

Nationale von Max Gottfried Riccabona, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite),  Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Max Gottfried Riccabo...
Nationale von Max Gottfried Riccabona, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite),  Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Max Gottfried Riccabo...



zuletzt aktualisiert am 29.06.2009

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