Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Maximilian Lambertz

  • Geb. am: 27. Juli 1882
  • Fakultät: Evangelisch Theologische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Maximilian LAMBERTZ, geb. am 27. Juli 1882 in Wien/Österreich, gestorben am 26. August 1963 in Merkkleeberg bei Leipzig/Deutschland (1938 heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Gottfried Lambertz (Mittelschulprofessor, verstorben) und wohnte in Wien 13, Auhofstraße 35/3. Er hatte 1900-1905 an der Universität Wien vergleichende Sprachwissenschaft und Altphilologie studiert und am 26. Dezember 1906 zum Dr. phil. promoviert mit einer Dissertation "Über die griechischen Sklavennamen" (Wien 1907) und wurde später ein bedeutender Albanologe.
Mit einem staatlichen Stipendium konnte Italien und Griechenland bereisen und kam in Kontakt mit der Albanischen Sprache. Nach seiner Rückkehr wurde er Gymnasiallehrer in Wien – mit einer Unterbrechung zwischen 1907-1911 als er in München am 'Thesaurus Linguae Latinae' mitarbeitete. Zurück in Wien unterrichtete er weiter publizierte aber auch ein Lehr- und Lesebuch des Albanischen (Wien 1913). 1916 nahm er an einer Expedition der Balkankommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nach Nord- und Mittelalbanien teil und widmete sich der dortigen Mundart und Folklore, später kam er mit den k.u.k.-Truppen im Rahmen des Weltkrieges wieder nach Albanien. Er wurde mit der Leitung des albanischen Schulsystems beauftragt und wurde als erster Ausländer Mitglied der von den k.u.k-Behörden eingesetzten Albanischen Literarischen Kommission zwecks Schaffung einer Albanischen Normsprache für den Schulgebrauch. Daneben redigierte er von 1916 bis 1918 auch die Zeitung 'Posta e Shypnisë' (Albanische Post). Nach dem Krieg kehrte Lambertz nach Österreich zurück und unterrichtete wieder und verfasste Bücher und Artikel zu verschiedenen Aspekten albanischer Kultur und Volkskunde.

Im Austrofaschismus wurde er nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei aus dem Schuldienst entlassen.
Lambertz nahm 1935 an der Universität Wien ein Studium der evangelischen Theologie auf und war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Evangelisch-Theologischen Fakultät im 6. Studiensemester inskribiert. Seine Dissertation "Die Berichte über die Kindheit Jesu" wurde am 17. September 1938 zwar noch approbiert, er konnte aber aus rassistischen Gründen nicht mehr promovieren, da seine Mutter einer jüdischen Familie entstammte – und vermutlich auch die inhaltliche Ausrichtung seiner Dissertation unter den Nationalsozialisten nicht mehr dem Erwünschten entsprach. Er war aber vom Wintersemester 1938/39 bis zum Wintersemester 1939/40 noch als unbesoldeter Lektor für Latein, Griechisch und Hebräisch an der Fakultät aktiv.
1939 zog Lambertz nach München um, wo er bis 1942 wieder am Thesaurus arbeitete. 1943 zog er nach Leipzig, wo er an der Leipziger Fremdsprachenschule Französisch und Italienisch unterrichtete und an der Realenzyklopädie der Altertumswissenschaften (Pauly-Wissowa) mitarbeitete.

Im Juni 1945, wurde er, nachdem er sich der Kommunistischen Partei angeschlossen hatte, Direktor der Leipziger Fremdsprachenschule und im Oktober 1946 Ordinarius für vergleichende Sprachwissenschaft und bis 1949 Dekan der neuen Pädagogischen Fakultät der Karl-Marx-Universität. Bis seiner Emeritierung im Jahre 1957 war er auch Direktor des Indogermanischen Instituts.
Lambertz besuchte Albanien im Juni 1954 und im Jahre 1957. Auch nach dem Bruch der engen politischen Beziehungen zwischen Albanien und dem Warschauer Pakt weigerte er sich, seine Verbindungen mit dem Land völlig aufzugeben.

Er starb am 26. August 1963 in der DDR und wurde auf dem Döblinger Friedhof in Wien begraben.

1982 bis 1984 wurde an der Evangelisch-Theologischen Fakultät diskutiert, ihm posthum das Ehrendoktorat der Fakultät zu verleihen, doch wurde der Antrag wieder zurückgezogen.


Lit.: freundlicher Hinweis von Dr. Christine Kanzler, Wien, 2011; Österreichisches Biographisches Lexikon; Robert ELSIE, Early Photography in Albania – Maximilian Lambertz.


Dokumente

Nationale von Max Lambertz, Wintersemester 1937/38 (1. Formular, Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Winters...
Nationale von Max Lambertz, Wintersemester 1937/38 (1. Formular, Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Winters...
Nationale von Max Lambertz, Wintersemester 1937/38 (2. Formular, Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Winters...
Nationale von Max Lambertz, Wintersemester 1937/38 (2. Formular, Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Winters...
Nationale von Max Lambertz, Sommersemester 1938 (1. Formular, Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Sommers...
Nationale von Max Lambertz, Sommersemester 1938 (1. Formular, Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Max Lambertz, Sommers...



zuletzt aktualisiert am 12.07.2013

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