Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Josef Gerö

  • Geb. am: 23. September 1896
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Josef GERÖ, geb. am 23. September 1896 in Subotica (kroatisch) bzw. Szabadka (ungarisch) (Maria-Theresiopel), Ungarn [Subotica, Serbien], gest. am 28. Dezember 1954 in Wien, hatte am 24. Dezember 1920 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. iur. erworben. Nachdem er im Ersten Weltkrieg gedient hat, trat er in den Richterdienst ein. Von 1927-1929 war er als Staatsanwalt in Wiener Neustadt tätig, von 1929-1934 als Staatsanwalt in Wien. Im Austrofaschismus wurde er 1934 zum Leiter der politischen Abteilung des Bundesministeriums für Justiz und 1936 zum Ersten Staatsanwalt ernannt.

Am 20. März 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet und am 1. April 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert und danach im September 1938 in das KZ Buchenwald. Am 25. Juli 1939 wurde er aus der KZ-Haft entlassen, übersiedelte nach Zagreb/Jugoslawien und wurde dort Prokurist in einer Textilfirma. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde er im April 1941 neuerlich von der Gestapo verhaftet und im Juni 1941wieder entlassen. Am 22. Juli 1944 kam es wiederum zur Verhaftung durch die Gestapo in Zagreb und wurde nach Wien überstellt, und musste Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten

Am 17. Juli 1942 wurde ihm der Grad aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus 'als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig' galt. 
3 Jahre nach der Aberkennung und nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad am 20. Juli 1945 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für 'von Anfang an nichtig' erklärt. Er war damit der Erste, dem nach dem NS das aus rassistischen Gründen aberkannte Doktorat wieder verliehen wurde.

Er wurde ab 27. April 1945 parteiloser Staatssekretär (und anschließend Bundesminister) für Justiz bis 1949, bzw. nochmals 1952-1954. Zwischen 1949 und 1952 war er Präsident des Oberlandesgerichts.
Darüber hinaus war er von 1927-1938 Präsident des Wiener Fußballverbandes und 1945 bis zu seinem Tod Präsident des Österreichischen Fußballbundes, seit 1946 ist er auch Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees.

Lit.: freundlicher Hinweis seiner Enkelin Rektorin Mag. Eva. Blimlinger, Wien 07/2018

Herbert Posch


Dokumente

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Staatsbegräbnis für Justizminister a.D. Dr. Josef Gerö 1954Staatsbegräbnis für Justizministe...



zuletzt aktualisiert am 10.07.2018

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