Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Hans Gallus Pleschner

  • Geb. am: 03. Jänner 1883
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Hans Gallus PLESCHNER, geb. am 3. Jänner 1883 in Karlsbad, gest. am 1. April 1950 in Seefeld/Tirol, war Dozent für Urologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Nach dem Medizinstudium an den Universitäten Prag/Tschechoslowakei und Heidelberg/Deutschland promovierte er 1907 in Prag zum 'Dr.med. '. 1903 und 1904 war er Demonstrator am anatomischen Institut in Prag, 1908 und 1909 am pathologisch-anatomischen Institut der Prager Universität. 1909 wurde Pleschner Operationszögling an der chirurgischen Universitätsklinik in Innsbruck/Tirol bei Hermann Schloffer. Jänner bis März 1910 war er Hospitant bei Otto Zuckerkandl an der chirurgisch-urologischen Abteilung im Wiener Rothschildspital. Juli 1910 bis November 1911 arbeitete er als Assistent an der Privatklinik des Urologen Leopold Casper in Berlin. 1912 trat Pleschner in die 2. chirurgische Universitätsklinik in Wien ein – vorerst als Operationszögling – ab 1916 wirkte er als Assistent von Julius Hochenegg und leitete die "urologische Station". 1920 erhielt er den Titel eines Dozenten für Urologie. 1922 schied er aus der Hochenegg’schen Klinik aus und übernahm im Jahr 1924 das Primariat der urologischen Station des Kaiserin-Elisabeth-Spitals in Wien, die er bis 1938 leitete.

Hans Pleschner wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 2. Dezember 1938 seines Amtes enthoben, die venia legendi wurde ihm entzogen und er wurde von der Universität Wien vertrieben.
Er übersiedelte in sein Landhaus in Seefeld in Tirol ("Haus Pleschner"), und konnte in Tirol weiter praktizieren und operieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es 1945 zur Wiederherstellung der 1938 aberkannten Venia legendi an der Wiener Universität. Darüber hinaus erhielt er auch eine Lehrbefugnis an der Innsbrucker Universität, soweit dies aus Vorlesungsverzeichnissen bekannt ist. 1945 wurde die (alleinige) Habilitation in Urologie – unter Verzicht auf das übliche Kolloquium – von der Universität Innsbruck übernommen.
Er war bei der Gründung 1919 Sekretär der Gesellschaft für Urologie, 1925 und 1933 deren stellvertretender Vorsitzender, 1926 Vorsitzender und 1946 Präsident. Er war korrespondierendes Mitglied der Italienischen und Portugiesischen Gesellschaft für Urologie ab 1926. Seit 1913 war Pleschner ordentliches Mitglied und seit 1947 korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien; darüber hinaus war er Mitglied der Freien Vereinigung der Chirurgen Wiens. Er wurde 1949 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Er starb 1950 in Seefeld. 


Lit.: FIGDOR 2007, 168f.; FIGDOR 2005; MERINSKY 1980; UB MedUni Wien/van Swieten Blog.




zuletzt aktualisiert am 13.07.2013

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