Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Waldemar Goldschmidt

  • Geb. am: 01. Dezember 1886
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Waldemar GOLDSCHMIDT, geb. am 1. Dezember 1886 in Bukarest [Bucuresti]/Rumänien, gest. am 15. Mai 1947 in Stockholm/Schweden, war bis 1938 Privatdozent für Chirurgie an der Universität Wien.

Er war der Sohn des Direktors des Wiener Bankvereins in Bukarest Julius (Jules) Goldschmidt (gest. 1921 in Wien) und Bruder des Investors Edmund Goldschmidt (gest. 1976 in New York/NY), der 1939 nach Brüssel und weiter in die USA floh; ab 1921 verheiratet mit der schwedischen Schriftstellerin und Übersetzerin Elsa Björkman-Goldschmidt (1888-1982).

Goldschmidt studierte nach Ablegung der Matura in Bukarest ab 1904 Medizin an der Universität Wien, u. a. bei Emil Zuckerkandl und Julius Tandler, war ab 1907 Demonstrator und später Prosektor an der 1. anatomischen Lehrkanzel und promovierte 1910 zum Dr. med. 1911 wechselte er als Operateur an die 1. chirurgische Universitätsklinik im Allgemeinen Krankenhaus. 1913 diente er im Balkankrieg auf bulgarischer Seite. Im 1. Weltkrieg als Regimentsarzt der k. u. k. Armee tätig, geriet G. in russische Gefangenschaft und übernahm die med. Betreuung von Kriegsgefangenen in Moskau. Nach seiner Rückkehr nach Wien erhielt er eine Stelle als Assistenzarzt bei Anton Frh. v. Eiselsberg an der 1. chirurgischen Universitätsklinik. 1924 habilitierte sich Goldschmidt und wurde Privatdozent für Chirurgie an der Universität Wien und eröffnete eine Privatordination in Wien-Alsergrund. Daneben wirkte er als Primarius der chirurgischen Abteilung im Rothschildspital. Sein Spezialgebiet lag in der Erforschung von Ursachen und Therapie von Krebserkrankungen und war auch im Vorstand der österreichischen Gesellschaft zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit. 

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 22. April 1938 seines Amtes enthoben, seine Venia legendi an der Universität Wien widerrufen und er von der Universität Wien vertrieben. Er wurde  aus der Ärztekammer ausgeschlossen und seine Praxis abgemeldet.

Er konnte mit seiner Frau Ende März 1938 nach Stockholm/Schweden emigrieren, wo er am Karolinska Institutet an einem Forschungsprojekt arbeitete und 1947 61-jährig verstarb. 

Lit.: SCHREIBER in ÖBL, 2012; UB MedUni Wien/van Swieten BlogSCHREIBER 2007100 Jahre Österreichische Krebshilfe 2010, 46; Mit Dank an das Österreichische Biografische Lexikon (ÖBL) für die vorab Zurverfügungstellung ihres Beitrags.


Katharina Kniefacz und Herbert Posch




zuletzt aktualisiert am 22.01.2019

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