Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Richard Volk

  • Geb. am: 14. Oktober 1876
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Richard VOLK, geb. am 14. Oktober 1876 in Lundenburg/Mähren [Břeclav/Tschechische Republik] als Sohn von Alois (+ 1927 in Wien) und Rosa Volk, gest. am 14. September 1943 in Mexico City, war Dozent für Dermatologie und Syphilidologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er hatte an der Universität Wien Medizin studiert und hier auch 1900 zum Dr.med.univ. promoviert. Anschließend war er an den I. Medizinischen Univ.-Klinik (Prof. Hermann Nothnagel), an der II. Univ.-Frauenklinik (Prof. Friedrich Schauta), Wagner u. Lang tätig. Er forschte in der Schweiz (Bern) und Frankreich (Paris) zu Fragen der Dermatologie und wurde, zurück in Wien, Univ.-Ass. an der II. Abt. für Haut- u. Geschlechtskrankheiten des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Ab 1908 leitete er bereits diese Abteilung. 1912 habilitierte er sich und wurde Privatdozent für Dermatologie und Syphilidologie und 1921 wurde ihm der Titel eines a.o.Professors zuerkannt. Ab 1918 war er bereits Primararzt der Lungenheilstätte im Wilhelminenspital (er wohnte in Wien 8., Langegasse 63). Er war Träger zahlreicher Kriegsauszeichnungen wie auch von Verdienstorden, war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Mitglied der Wiener Dermatologischen Gesellschaft und der Wiener Gesellschaft der Tuberkulose-Ärzte. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Beiträge (u.a. zu Immunitätslehre und Hauttuberkulose) und verfasste das Handbuch der Lichttherapie (1927).

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 22. April 1938 seines Amtes enthoben, seine Venia legendi wurde widerrufen und er wurde von der Universität Wien vertrieben.

Es gelang ihm die Flucht und er konnte 1939 nach Mexico City/Mexiko emigrieren, wo er gemeinsam mit seiner Frau eine Privatpraxis betrieb, die sie nach seinem Tod weiterführte.

Dr. Richard Volk starb 1943 in Mexico City an einem Schlaganfall.

Seine Ehefrau, Dr. Else Volk-Friedland (geb. 21.03.1880 in Wien als Elsa Friedland), hatte in Wien das Mädchengymnasium des Vereins für erweiterte Frauenbildung besucht und 1899  maturiert. Sie studierte Medizin - eine der ersten Frauen denen dies erlaubt wurde - und promovierte 1905. Sie arbeitet bis 1907 bei Heinrich Obersteiner am Neurologischen Institut in Wien. Trotz ihres offensichtlichen Interesses für Psychiatrie und Neurologie - sie ist das einzige weibliche Mitglied der Wiener Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie und nimmt an einschlägigen Veranstaltungen teil - etabliert sie sich 1907 als praktische Ärztin. In Wien 1., Kärntnerstraße 28 führt sie eine Ordination für Männer- und Frauenkrankheiten. Ausserdem unterrichtet sie ab den Schuljahr 1905/06 das Fach Hygiene an der Schwarzwald-Schule und wird 1912 vom Verein zur Förderung der höheren kommerziellen Frauenbildung zur Schulärztin in seinen Instituten ernannt. Ab 1919 ist sie Leiterin eines Kinder-Ambulatoriums. Sie ist auch publizistisch tätig und veröffentlicht u.a. zahlreiche Artikel zur Frauengesundheit für die Zeitschrift "Die Frau und Mutter".

Else Friedland und Richard Volk heirateten 1908. Mit ihm gemeinsam flieht sie 1939 vor dem Nationalsozialismus nach Mexiko und führt bis zum Tod ihres Mannes gemeinsam mit ihm eine Praxis, danach alleine und gründete mit der ebenfalls aus Wien nach Mexiko emigrierten Medizinerin und Sexualreformerin Marie Frischauf-Pappenheim den Exilverlag "El Libro Libre" und war auch als Schriftstellerin, Übersetzerin und Malerin in Mexiko aktiv. Sie gestaltete auch zahlreiche Radiosendungen in Mexiko, u. a. im Oktober 1943 "Das Wiener Burgtheater", im April 1944 "Die österr. Literatur", im September 1944 "Österreichische Literatur", im Juli 1945 "Warum lieben wir Mexico", im September 1945 "Theaterkultur in Österreich" und verfasste mehrere Artikel in den Exilperiodika "Freies Deutschland" und "Demokratische Post" und war Vizepräsidentin der "Accion Republicana Austriaca" in Mexico (ARAM). Einen Auszug ihrer Publikationen findet man bei Ariadne/Österreichische Nationalbibliothek.
Der 1910 in Wien geborene Sohn Georg (Heinrich) Volk emigrierte ebenfalls nach Mexiko.
Dr. Else Volk-Friedland starb am 27. Februar 1953 in Mexico City im mexikanischen Exil.

Am 9. September 1953 wurde zum Andenken an Richard Volk eine Büste beim Lupuspaviollion im Wilhelminenspital in Wien 16 errichtet, den er ab 1918 20 Jahre geleitet hatte. 2009 wird er ins "Gedenkbuch der Opfer des Nationalsozialismus an der Universität 1938" eingeschrieben und an der Medizinischen Universität beim "Brunnen der Erinnerung" und im VanSwietenBlog über die 1938 vertriebenen MedizinerInnen.


Lit.: MERINSKY 1980, 273-274; UB MedUni Wien/van Swieten Blog, Douer/Seeber 1995, S. 208, 242; Koren, S. 259; Archiv der Universität Wien (Foto 106.I.1591, Personalbogen S 304.1324); FISCHER 1933, 1626; Dietrich von Engelhardt (Hg.), Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner 2, München 2002, S. 656; BLUMESBERGER 2002, 1414f.; Frauen in BewegungBOLBECHER/KAISER 2002FEIKES 1999; Niedergelassene Ärztinnen 1910; SABLIK 2000; KOROTIN 2017, 3410f.

Herbert Posch


Dokumente

Dr. Else Volk-Friedland, 1907 (Jahresbericht des Vereins für erweiterte Frauenbildung 1907/08)Dr. Else Volk-Friedland, 1907 (Jahr...



zuletzt aktualisiert am 11.02.2019

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