Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Georg Petschek

  • Geb. am: 20. Juli 1872
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Georg PETSCHEK, geb. am 20. Juli 1872 in Kolin, Böhmen/Österreich-Ungarn [Kolín/Tschechische Republik], gest. am 5. September 1947 in Cambridge/USA, war Privatdozent (o. Prof.) für Österr. Zivilprozeßrecht und Verfahren außer Streitsachen an der Juridischen Fakultät der Universität Wien.

Georg Petschek promovierte 1896 an der Deutschen Universität Prag zum JDr. und habilitierte sich dort 1902, 1907 ao. Professor, 1910 o. Professor des zivilgerichtlichen Verfahrensrechts an der Universität Czernowitz. Nach der Vertreibung aus der nun rumänischen Universität Czernowitz 1919 Habilitation und Privatdozentur (tit. o. Prof.) an der Universität Wien 1920. Ab 1925 gab Petschek das "Zentralblatt für die juristische Praxis".

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 8. April 1938 seines Amtes enthoben (22. April 1938 Venia legendi widerrufen) und von der Universität Wien vertrieben und musste flüchten.

Er konnte im Juni 1939 – zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Czernowitz – in die USA emigrieren und lehrte an der Harvard Law School als research associate.

Georg Petschek erlag am 5. September 1947 in Cambridge (Mass.) einem Schlaganfall.

Im Rahmen der 2004 begonnenen NS-Provenienzforschung wurden mehrere Bücher aus Petscheks Besitz in den Beständen der Universitätsbibliothek Wien aufgefunden. 2009 erfolgte die Restitution an die Erben, die einen Band als symbolische Erinnerung behielten und alle übrigen Bücher der Universität Wien schenkten.

Lit.: freundlicher Hinweis von Mag. Markus Stumpf 2009; STUMPF 2009Olechowski/Ehs/Staudigl-Ciechowic 2014, 414f.; NS-Provenienzforschung/Restitution UB Wien: PETSCHEK 2009.

Herbert Posch




zuletzt aktualisiert am 22.09.2017

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