Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Stefan Hock

  • Geb. am: 09. Jänner 1877
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Stefan HOCK, geb. am 9. Jänner 1877 in Wien, gest. am 15. Mai 1947 in London, war seit 1905 Privatdozent für Deutsche Philologie (Neuere deutsche Literaturgeschichte) an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben. Er konnte nach London/GB emigrieren.

Hock studierte in Wien Germanistik bei J. Minor, promovierte 1900 zum Dr. phil. und konvertierte vom Judentum zum Protestantismus (evang. AB). 1901 begründete er gemeinsam mit Paul Eger und Hans Tietze den "Akademischen Verein für Kunst und Literatur" und habilitierte sich 1905 für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Wien und lehrte dort als Privatdozent. Durch rege journalistische und wissenschaftlich-publizistische Tätigkeit (u.a. auch in der Wiener Hochschulzeitschrift Das Wissen für Alle) – er war Herausgeber u.a. der siebenbändigen "Grillparzers Werke" (1911–1913) und "Lyrik aus Deutschösterreich (1919) – errang er eine führende Position im Wiener Kulturleben. 1919 wurde er von Albert Heine in die Dramaturgie des Burgtheaters berufen und übersiedelte 1921 als Mitarbeiter Max Reinhardts an dessen Deutsches Theater nach Berlin, wo er als Direktorstellvertreter in künstlerischen Angelegenheiten, Dramaturg und Regisseur wirkte; diese Stellung hatte er auch am Josefstädter Theater in Wien inne, das Reinhardt 1924 übernahm. Ab 1926 vorwiegend als Spielleiter und Regisseur tätig, trat Hock nicht nur mit selbständigen Regiearbeiten hervor, sondern leistete auch weitgehende Vorbereitungen zu Inszenierungen Reinhardts in Berlin, Salzburg und New York. Er war außerdem ein ausgezeichneter Übersetzer englischer, französischer, italienischer und russischer Theaterstücke. 1934/35 übernahm er mit P. Barnay das Wiener Raimundtheater.

Hock emigrierte 1938 – nach einem Hinweis in Elise Richters Tagebuch bereits 1936/37 – nach Großbritannien, wo er sich als Schauspiellehrer eine neue Existenz aufbaute und in mehreren Städten Festspiele organisierte.

Lit.: Neue Deutsche Biographie|NDB; Österreichisches Biographisches Lexikon|ÖBL 1815–1950, Bd. 2 (Lfg. 9, 1959), 347; STAUDACHER 2009, 259; Teilnachlass in der Österreichischen Nationalbibliothek|ÖNB; freundlicher Hinweis von Christine Karner, 2013




zuletzt aktualisiert am 29.06.2013

Haben sie Fragen, Korrekturen oder Anmerkungen zu dieser Person? Nutzen Sie das folgende Formular um uns Informationen zukommen zu lassen:

Feedback übermitteln: