Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Abraham Wolloch

  • Geb. am: 07. März 1914
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Abraham WOLLOCH, geb. am 7. März 1914 in Kolmea/Polen [Kolomyja/Ukraine] (heimatberechtigt in Österreich, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Efraim Wolloch (Ratenhändler), wohnte in Wien 2, Taborstraße 106/16. Er hatte am 5. Oktober 1937 am Realgymnasium Wien 3., Radetzkystraße maturiert und immatrikulierte am 13. Oktober an der Philosophischen Fakultät der Universität. Er belegte Vorlesungen in Chemie und Mathematik - das Wintersemester 1937/38 war sein erstes und gleichzeitig letztes Semester. Aufgrund der rassistischen Verfolgungsmaßnahmen nach der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen nach dem sogenannten "Anschluß", konnte er im Sommersemester 1938 seine Studien nicht mehr fortsetzen und wurde von der Universität vertrieben.

Er konnte in die Schweiz emigrieren und wartete dort als Flüchtling auf die offizielle Einreisegenehmigung nach Palästina durch die britischen Mandatsverwaltung. 1939 konnte er nach Palästina einreisen, besuchte dort die Hebrew University of Jerusalem, wo er nochmals von vorne anfing und Naturwissenschaften studierte und einen Master-Abschluß erreichte. Viele seiner ProfessorInnen waren ebenfalls EmigrantInnen aus Deutschland und Österreich. Danach besuchte er das Lehrerseminar in Tel-Aviv und graduierte nach zwei Jahre in Pädagogik  und würde Gymnasiallehrer. Er heiratete 1951 eine Kindergärtnerin und sie lebten die nächsten zehn Jahre an verschiedenen Orten in der Nähe von Tel-Aviv wo er an verschiedenen Erziehungseinrichtungen beschäftigt war. ein Jahr nach Geburt seiner Tochter Lea zogen sie nach Jerusalem, wo er als senior-teacher an einer sehr angesehenen High-School unterrichtete. He wurde 1979 pensioniert, starb aber nur drei Jahre später 1981 an Krebs.

Sein Vater Efraim konnte ebenfalls in die Schweiz (Zürich) emigrieren und nach dem Krieg 1945 nach Tel Aviv,  Palästina/Israel einreisen (gest. 1971). Seine Mutter konnte Wien nicht verlassen, erkrankte und starb 1941 in Wien. Sein jüngerer Bruder Lazy konnte Anfang der 1940er nach Holland flüchten, wurde jedoch verhaftet, deportiert und 1943 in Sobibor ermordet.


Lit.: Freundlicher Hinweis seiner Tochter Lea Halpern, Jerusalem 2012.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Abraham Wolloch, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Abraham Wolloch, Wint...
Nationale von Abraham Wolloch, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Abraham Wolloch, Wint...



zuletzt aktualisiert am 26.06.2014

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