Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Olga Speranza Plachte (verh. Wermer)

  • Geb. am: 03. September 1913
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Olga Speranza PLACHTE (später verh. WERMER), geb. am 3. September 1913 in Zürich/Schweiz (heimatberechtigt in Tarnów/Polen, Staatsbürgerschaft: Polen), Tochter von Ing. Leo Plachte (Ingenieur) und Jadwiga, geb. Schwanenfeld, wohnte in Wien 9, Garnisongasse 1/2, war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 9. Studiensemester inskribiert.

Sie wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das fast fertige Studium abzubrechen und die Universität Wien ohne Abschluss zu verlassen (Abgangszeugnis vom 19. Juli 1938).

Sie musste aus Österreich fliehen und es gelang ihr, über Le Havre/Frankreich mit der SS Normandie in die USA zu emigrieren wo sie am 22. Dezember 1938 in New York ankam und fünf Tage später dort ihren Wiener Studienkollegen Dr. Heinz (später: Henry) Wermer heiratete (geb. 15. August 1913 in Wien als Sohn von Zahnarzt Dr. Leopold Wermer und Sofie, geb. Goldstern, gest. 5. November 1968 in Newton, MA/USA). Er hatte bereits am 22. Dezember 1936 an der Universität Wien zum "Dr.med.univ." promoviert und war bereits am 24. Juli 1938 von Wien nach New York ausgereist.

Um ihr Studium doch noch abschließen zu können, reiste Olga Speranza Wermer-Plachte kurz darauf Anfang 1939 aus den USA für ein Semester nach Europa um in der Schweiz an der Universität Lausanne ihr Studium abzuschließen und zur "Dr.med.univ." zu promovieren. Am 17. August 1939 kehrte sie als promovierte Ärztin in die USA zurück wo sie künftig bei Boston lebte und als Ärztin arbeitete. Sie begann als Endokrinologin und Gynäkologin und wandte sich später der Psychiatrie zu. 1944 wurde sie US-Staatsbürgerin. Sie absolvierte auch eine Psychoanalytische Ausbildung an der Boston Psychoanalytic Society and Institute, arbeitete am McLean Hospital und am Beth Israel Hospital und praktizierte 30 Jahre lang als Psychoanalytikerin und Psychiaterin in eigener Praxis. Sie hatte zwei Töchter, Dr. Hedy S. (Amhearst) und Margaret R. (Needham).

Dr. Olga S. Wermer, geb. Plachte, lebte bis zuletzt in Newton und starb am 21. April 1993 in Boston/USA und ist am Sharon Memorial Park Sharon, Norfolk County, Massachusetts, USA bestattet.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale MED 1937-1938; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 449; www.genteam.at, www.ancestry.de; Nachruf in The Boston Globe vom 24. April 1993, 17.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Olga Speraza Plachte, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...
Nationale von Olga Speraza Plachte, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...
Nationale von Olga Speraza Plachte, Wintersemester 1937/38 (2. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...
Nationale von Olga Speraza Plachte, Wintersemester 1937/38 (2. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...
Nationale von Olga Speraza Plachte, Sommersemester 1938 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...
Nationale von Olga Speraza Plachte, Sommersemester 1938 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Olga Speraza Plachte,...



zuletzt aktualisiert am 30.04.2021

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