Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Hans (John H.) Mehl

  • Geb. am: 17. Februar 1913
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Dr. iur. Hans Felix (John H.) MEHL, geb. am 17. Februar 1913 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Bernhard Mehl (Privatbeamter, Versicherungstechniker, 1871–1945) und Charlotte Mehl, geb. Steiner (1876–1939), wohnte in Wien 18, Wallrißstraße 129 und hatte nach seiner Reifeprüfung/Matura bis 1936 Rechtswissenschaften an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien studiert und promovierte am 13. Mai 1937 zum "Dr. iur.". Er nahm im darauffolgenden Semester auch noch das staatswissenschaftliche Studium auf und war im Wintersemester 1937/38 im 1. staatswissenschaftlichen Studiensemester an der Juridischen Fakultät.

Er wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Hans Mehl wurde 1938 in Wien verhaftet und am 24. Juni 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, am 22 September 1938 weiter in das Konzentrationslager Buchenwald. Es gelang ihm aber mit Hilfe der Organisation der Quäker, der Familie und enger Freunde, die schon zuvor in die USA emigriert waren, Ausreisepapiere für die USA zu erhalten und er wurde im Februar 1939 unter der Bedingung aus dem KZ entlassen, binnen vier Wochen das Land zu verlassen. Sein Visum wurde am 15. März 1939 in Wien ausgestellt und damit konnte er nach Vlissingen/Niederlande reisen und dann am 8. April 1939 über Antwerpen/Belgien mit der SS Westernland in die USA ausreisen, wo er am 19. April 1939 in New York City, NY, ankam.

Seine Mutter war bereits 1939 gestorben und seinem Vater Bernhard Mehl gelang nicht mehr rechtzeitig die Flucht aus Österreich: Er wurde am 15. Februar 1941 aus Wien 1, Gonzagagasse 13/10 nach Opole bei Lublin deportiert und bald darauf weiter in das Vernichtungslager Bełżec bzw. Sobibór/Polen und wurde ermordet.

Als John H. Mehl im Oktober 1940 für die US-Army gemustert wurde, lebte er in 86 Addington Road, Brookline, Norfolk, Massachusetts und arbeitete bei der Tri Mount Clothing Factory in Roxford, Suffolk, Massachusetts. Er diente vom 20. Jänner 1943 bis zum 7. Juni 1946 in der U.S.-Army und wurde am 13. Juni 1942 als "John Hans Mehl", damals in Lowry Fields (Lowry Air Force Base), Denver, Colorado stationiert, als US-Staatsangehöriger eingebürgert.

Am 5. August 1947 heiratete er im Standesamt Wien Mariahilf Eleanore Pracher (geb. 1925 in Wien), bezeugt vom US-Vizekonsul in Wien, Joseph R. Jacyno.

Sie lebten zuletzt in 907 Symphony Circle, 22180 Vienna, Virginia/USA.

John H. Mehl starb 73-jährig am 6. August 1986 in Falls Church, Fairfax, Virgina/USA und ist begraben am Arlington National Cemetery.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale IUR 1937-1938, Promotionsprotokoll IUR 1924-1939, Nr. 5067; Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)/AdR/E-uReang/VVSt/VA/6809 (Vermögensanmeldung Vater Bernhard Mehl 1938); POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 436; freundlicher Hinweis seines Sohnes Charles Mehl, USA, 06/2021, www.ancestry.de.


Herbert Posch


Dokumente

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Nationale von Hans Mehl, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite),  Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Hans Mehl, Winterseme...
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zuletzt aktualisiert am 08.06.2021

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