Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Stella Bianca Feuerstein (verh. Arditti)

  • Geb. am: 12. Juni 1914
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Stella Bianca FEUERSTEIN (verh. ARDITTI), geb. am 12. Juni 1914 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Tochter von Marcus Feuerstein (Privatbeamter, Tirana/Albanien) und Feigel Treindel Feuerstein, geb. Wetzler, wohnte in Wien 2, Hofenedergasse 3/12a, ab 1937 dann in Wien 2, Praterstraße 51/7. Sie hatte am 7. Juli 1932 am Mädchenrealgymnasium in Wien 2, Hollandstraße 4, ihre Reifeprüfung (Matura) abgelegt und studierte ab dem Wintersemester 1932/33 an der Philosophischen Fakultät (unterbrochen von einem Gastsemester an der Philosophischen Fakultät an der Sorbonne in Paris), zuletzt im Wintersemester 1937/38 im 8. Studiensemester und belegte Vorlesungen in Geschichte und Romanistik.
Sie meldete sich bereits am 11. Oktober 1937 zu den Rigorosen an und legte ihre Dissertation vor. Sie bestand das erste Rigorosum am 23. Oktober 1937 (Prüfer: Richard Meister und Karl Bühler). Ihr Antrag auf Anrechnung des Pariser Gastsemesters wurde aber im Oktober 1937 abgewiesen, daher konnte das Absolutorium erst am 30. Mai 1938 ausgestellt werden - zu diesem Zeitpunkt wurde aber gleichzeitig das Prüfungsverfahren abgebrochen. Sie konnte ihr Studium in Wien nicht mehr abschließen.

Im August 1938 konnte sie nach Albanien emigrieren, wo ihr Vater damals arbeitete, wo es aber bis 1951/1957 keine Universität gab. Sie konnte ihr Studium nicht abschließen, arbeitete aber einige Jahre als Gymnasiallehrerin für Geschichte und Geografie, als es für sie als Ausländerin unmöglich wurde im Schuldienst weiterzuarbeiten gab sie noch privaten Sprachunterricht in Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch. Sie heiratete Moisi Arditti und hatte drei Kinder: Silvia Battino (geb. Arditti), Elena Kona (geb. Arditti) und George Arditti.

Ab 1948/49 konnten sie das kommunistische Albanien nicht mehr verlassen. Nach dem Ende der albanischen Diktatur 1991 verließen sie alle Albanien um nach Israel zu emigrieren, wo ihre Kinder und deren Familien heute leben.

Stella Bianca Arditti, geb. Feuerstein, starb am 24. Jänner 1993 in Karmi'el, Israel.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1937-1938, Rigorosenprotokoll und -akt PHIL Nr. 13776, PHIL GZ 8 ex 1937/38 ONr. 18; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 382; www.genteam.at; freundlicher Hinweis ihres Enkels Leon Kona, 2011.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Stella Bianca Feuerstein, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Stella Bianca Feuerst...
Nationale von Stella Bianca Feuerstein, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Stella Bianca Feuerst...



zuletzt aktualisiert am 15.09.2021

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