Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Herta Maria Gorodetzky, verh. Moldauer

  • Geb. am: 22. Juni 1911
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Maria Herta Moldauer, geb. Gorodetzky, geb. 22. Juni 1911 in Weikersdorf/Baden bei Wien, Niederösterreich (heimatberechtigt in Baden bei Wien/NÖ, Staatsbürgerschaft: Österreich), Tochter von Dr. Alexander Gorodetzky (Rechtsanwalt, stammte aus Odessa/Russland und promovierte an Uni Wien am 26. Mai 1899 zum Dr. iur.) und Philippine Gorodetzky, geb. Hirsch, wohnte 1938 in Wien 1., Führichgasse 10.

Nach ihrer Reifeprüfung am öffentlichen Reformrealgymnasium in Wien 2, Hollandstraße am 16. Juni 1930 begann sie im Wintersemester 1931/32 ein Studium der Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und war zuletzt im Sommersemester 1934 im 6. und letzten Studiensemester inskribiert (Absolutorium ausgestellt am 12. November 1934). Ihre Lehrer*innen waren u.a. Prof. Karl Bühler und Prof. Charlotte Bühler.

Zwischen 1934 und 1938 befand sie sich in der Studienabschlussphase und verfasste ihre Dissertation in Kinderpsychologie mit dem Titel: "Über Lese- und Schreibe-Schwierigkeiten des Kindes im ersten Schuljahr" bei Prof. Charlotte Bühler. Dafür arbeitete sie auch rund zweieinhalb Jahre an der von Prof. Julius Tandler gegründeten Kinderübernahmestelle der Gemeinde Wien - u.a. an einer "Studie über den Einfluß des Kinobesuchs auf Kinder" für die Rockefeller Foundation unter der Leitung von Prof. Charlotte Bühler, sowie auch ein halbes Jahr an zwei privaten Kindergärten als empirische Basis für ihre Disserationsarbeit und zur Sicherung des Lebensunterhalts. Sie konnte nach dem "Anschluss" aber ihr Studium nicht mehr abschließen.

Sie heiratete am 5. Juli 1936 im Wiener Stadttempel den Rechtsanwalt Dr. Hans Heinrich Moldauer (1910-2008).

Sie und ihr Mann mußten aus Österreich flüchten und konnten am 15. August 1938 aus Österreich ausreisen, vorerst nach Portugal bis sie im November 1938 nach Frankreich flüchteten wo sie bis zur Besetzung durch das Dritte Reich in Nizza lebten bevor es ihnen gelang im Februar 1940 von Marseille mit der SS Excambion in die USA zu emigrieren, wo sie am 26. Februar 1940 in New York, NY ankamen. Am 20. Juni beantragten sie die US-Staatsbürgerschaft die sie am 24 April 1945 dann auch erhielt.

in den USA arbeitete sie anfangs als Arbeiterin bei verschiedenen Firmen und als Aushilfe in verschiedenen Haushalten bevor sie wieder in ihr eigentliches Berufsfeld wechseln konnte und Anstellung in einem Kindergarten und einer Nach-Schul-Gruppe fand. Sie lebten und Arbeitete im Bundesstaat New York, mit einer Wohnnug in New York City und seit 1949 waren sie und ihr Mann dann Direktor*innen von Camp Magpies, 113th str. Forest Hills 75, NY, USA

Sie starb 97jährig am 3. Juli 2008 in den USA.


Lit: Archiv Universität Wien, Nationale PHIL 1930-1934; ÖStA Opferfürsorgeakt; SAUER/REITER-ZATLOUKAL 2010,158 (Vater); REITER-ZATLOUKAL/SAUER 2022; www.genteam.at; www.ancestry.de.


Herbert Posch


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zuletzt aktualisiert am 20.07.2021

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