Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Margarete (Grete) Lackenbacher (verh. Endlich)

  • Geb. am: 20. Oktober 1920
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Margarete (Grete) LACKENBACHER, geb. am 20. Oktober 1920 in Wien/Österreich (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Deutsches Reich), war die Tochter von Dr.phil. Hans Lackenbacher (Professor i.R.) und dessen Ehefrau Dr.phil. Eduardine (geb. Fürer) und wohnte in Wien 3, Jacquingasse 1.

Ihr Vater, der als Lehrer arbeitete galt nach NS-Rassegesetzen als Jude und wurde nach dem „Anschluss“ 1938 in den Ruhestand versetzt.

Nach der Reifeprüfung an der Bundeserziehungsanstalt für Mädchen in Wien 3, Boerhavegasse 15 im Mai 1938, war Grete Lackenbacher im Wintersemester 1938/39 an der Medizinischen Fakultät im 1. Studiensemester inskribiert. Sie galt als 'Mischling 1. Grades' und konnte ihr Studium - bei jederzeitigem Widerruf - vorläufig aufnehmen.
Die Sommer 1938 und 1939 verbrachte sie in Frankreich und konnte wegen des Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 erst im Mai 1940 wieder nach Wien zurückkehren.

Als „Mischlinge“ ab dem 1. Trimester 1940 ein Gesuch an das Reichserziehungsministerium Berlin um Studienzulassung stellen mussten, reichte Grete Lackenbacher im Mai 1940 ein Ansuchen zur Fortsetzung ihres Studiums ein. Gemäß Vorschrift legte der Dekan der zuständigen Medizinischen Fakultät, Eduard Pernkopf, dem Antrag ein mit 30. Mai 1940 datiertes Gutachten, das „insbesondere auf den persönlichen Eindruck über die Persönlichkeit und das Aussehen des Gesuchstellers einzugehen [hatte]. Dabei ist zu erwähnen, ob und inwieweit Merkmale der jüdischen Rasse beim Gesuchsteller äußerlich erkennbar sind.“ [Erlass des Reichserziehungsministeriums, 5. Jänner 1940]. Er stellte fest: „an ihrem Aeusseren bemerkt man nicht Jüdisches.
Das Reichserziehungsministerium entschied jedoch am 22. Juli 1940 nach Absprache mit dem Reichsinnenministerium Margarete Lackenbacher nicht zur Fortsetzung ihres Studiums zuzulassen, da sie als „Mischling 1. Grades“ keine Aussicht auf Zulassung zu den ärztlichen Prüfungen hatte und das 1. Rigorosum noch nicht abgeschlossen hatte.

Nach 1945 konnte sie doch noch ihr Medizinstudium abschließen und praktizierte nach ihrer Heirat unter dem Namen Dr. Grete Endlich in Wien.

Sie starb am 24. Jänner 2012 in Wien.

Lit.: freundlicher Hinweis von HR i.R RegR Karl Jarosch, Wien 11/2018; Archiv der Universität Wien/Medizinische Fakultät: Nationale Wintersemester 1938/39, u.a.

 

 

Katharina Kniefacz


Dokumente

Nationale von Margarete Lackenbacher, Wintersemester 1938/39 (Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Margarete Lackenbache...
Nationale von Margarete Lackenbacher, Wintersemester 1938/39 (Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Margarete Lackenbache...



zuletzt aktualisiert am 06.11.2018

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