Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Fritz Sokal

  • Geb. am: 6. September 1910
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Dr. Fritz SOKAL, geb. am 6. September 1910 in Wien/Österreich (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von David Sokal (Bundesbeamter) und dessen Ehefrau Olga Sokal, wohnte in Wien 2, Castellezgasse 9.
Nach der Reifeprüfung am Bundesrealgymnasium in Wien 2 begann er im Wintersemester 1929/30 ein Medizinstudium an der Universität Wien. Sokal war zuletzt im Wintersemester 1934/35 an der Medizinischen Fakultät im 10. Studiensemester inskribiert (Absolutorium ausgestellt am 16. März 1936) und konnte sein Studium am 16. März 1936 mit der Promotion zum Dr.med. abschließen.
Am 20. März 1936 stellte die Wiener Ärztekammer für Dr. Fritz Sokal eine Legitimationskarte aus.

Nach der Promotion arbeitete Fritz Sokal ab Wintersemester 1936/37 ganztägig im Rahmen des postgradualen zahnärztlichen Lehrgangs am Zahnärztlichen Institut der Universität Wien, zuletzt im Sommersemester 1938. Am 9. Juli 1938 wurde ihm noch ein Zeugnis über die vollständige Absolvierung des Lehrgangs ausgestellt, als Zahnarzt wurde er zu diesem Zeitpunkt jedoch aus rassistischen Gründen nicht mehr zugelassen.

Nach dem "Anschluss" 1938 konnte Fritz Sokal zunächst nach Frankreich flüchten (abgemeldet aus Wien am 13. September 1938). In Frankreich wurde er später verhaftet und in das Sammel- und Durchgangslager Drancy eingeliefert. Von dort wurde er am 4. September 1942 nach Auschwitz [Oswiecim/Polen] deportiert, wo er starb.


Lit.: Archiv der Universität Wien, Nationale MED 1929-1935, Hospitanten 193
6-1938, Promotionsprotokoll MED XIII Nr. 2877; DÖW-Datenbank Shoah-Opfer; freundliche Hinweise von Mag. Dr. Lydia Mayr, Wien, 2015.


Katharina Kniefacz


Dokumente

Fritz Sokal in Wien, (c) Mag. Dr. Lydia Mayr, WienFritz Sokal in Wien, (c) Mag. Dr. L...
Nationale von Fritz Sokal, Wintersemester 1934/35 (Vorderseite), Foto: Katharina Kniefacz (c) Archiv der Universität WienNationale von Fritz Sokal, Winterse...
Nationale von Fritz Sokal, Wintersemester 1934/35 (Rückseite), Foto: Katharina Kniefacz (c) Archiv der Universität WienNationale von Fritz Sokal, Winterse...
Fritz Sokal: Promotionsprotokoll, Medizinische Fakultät: Promotion am 16. März 1936, Nr. 2877, Foto: Katharina Kniefacz (c) Archiv der Universität WienFritz Sokal: Promotionsprotokoll, M...
Fritz Sokal: Meldungsschein für Hospitanten, Wintersemester 1937/38, Foto: Katharina Kniefacz (c) Archiv der Universität WienFritz Sokal: Meldungsschein für Ho...
Fritz Sokal: Meldungsschein für Hospitanten, Sommersemester 1938, Foto: Katharina Kniefacz (c) Archiv der Universität WienFritz Sokal: Meldungsschein für Ho...
Fritz Sokals Legitimationskarte (Vorderseite), 1936, (c) Mag. Dr. Lydia Mayr, WienFritz Sokals Legitimationskarte (Vo...
Fritz Sokals Legitimationskarte (Rueckseite), 1936, (c) Mag. Dr. Lydia Mayr, WienFritz Sokals Legitimationskarte (Ru...
Fritz Sokals Zeugnis über die Absolvierung des Zahnärztlichen Lehrgangs 1936-1938 (Vorderseite,) (c) Mag. Dr. Lydia Mayr, WienFritz Sokals Zeugnis über die Abso...
Fritz Sokals Zeugnis über die Absolvierung des Zahnärztlichen Lehrgangs 1936-1938 (Rückseite) (c) Mag. Dr. Lydia Mayr, WienFritz Sokals Zeugnis über die Abso...



zuletzt aktualisiert am 07.07.2020

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