Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

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Franz Altmann

  • Geb. am: 10. April 1901
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Franz ALTMANN, geb. am 10. April 1901 in Wien, gest. am 26. August 1968 in Lebanon/New Hampshire, USA, war 1938 Universitäts-Assistent III. Klasse an der Laryngologischen Station (Prof. Neumann) an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassischen Gründen verfolgt und mit Ende Mai 1938 unter Einstellung der Dienstbezüge seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.

Er war der Sohn von Dr. Ignaz Altmann (praktischer Arzt in Wien, 1876-1923) und Hedwig Altmann (geb. Weiner, geb. 1878) und hatte am 13. Mai 1925 an der Universität Wien zum Dr. med. promoviert und wurde am 18. Juni 1925 in die Wiener Ärztekammer aufgenommen (am 21. November 1933 auch in die Fachgruppe für Oto-Rhino-Laryngologie) und eröffnete eine Praxis als HNO-Facharzt. Er war 1922-1925 Demonstrator am Anatomischen Institut bei Prof. Julius Tandler und 1925-1926 Assistent dort, 1926-1929 bei Prof. Rudolf Maresch am Pathologisch-Anatomischen Institut, dann an der Univ.-Klinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten, wo er Demonstrator (1929/30), Hilfsarzt (1931-1934), enger Mitarbeiter und seit 1. Oktober 1934 Assistent bei Prof. Heinrich Neumann wurde (ab 1. Jänner 1935 Ass. III. Klasse).

Er wohnte in Wien 7., Siebensterngasse 29/13 und emigrierte noch kurz vor seiner Habilitation am 30. Juli 1938 nach Brünn [Brno]/Tschechoslowakei und von dort nach England und am 4. September 1938 mit der SS Pennland von Southampton/England in die USA, wo er am 13. September 1938 in New York City, NY, ankam und gleich um die US-Staatsbürgerschaft ansuchte. Er lebte anfangs in 15 W., 81 str. in Manhattan, New York und heiratete dort am 19. Oktober 1939 die vier Tage zuvor über Zürich/Schweiz und Genua/Italien nach USA eingewanderte und in Grillenstein (Gmünd/OÖ) geborene und in Wien lebende Krankenschwester Wilhelmine Findeis (1904-1972). Er ließ sich am 17. Jänner 1944 in New York taufen und wurde Mitglied der Second Presbyterian Church und erhielt am 1. Februar 1944 die US-Amerikanische Staatsbürgerschaft (am 8. Jänner 1945 auch seine Frau).
Er konnte sich in New York auch für Laryngologie und Otohistologie habilitieren und konnte seine Laufbahn am College for Physicians and surgeons an der Columbia University New York fortsetzen (1949 Ass. Prof., 1955 Clinical full Prof. of Otolaryngology, 1966 Emeritus), eine Berufung nach Wien als Nachfolger von Otto Schlanders 1959 lehnte er ab. Er lebte in New York (863 Park Avenue)

Altmanns Hauptarbeitsgebiete betrafen die Fehlbildungen des Ohrs, die Meniéresche Erkrankung sowie die Otosklerose. Insgesamt verfaßte er 137 Publikationen und war Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher internationaler Fachgesellschaften (darunter American Otological Society, Deutsche und Türkische Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Österreichische Oto-Laryngologische Gesellschaft), Präsident der Sektion Hals-Nasen-Ohren-Ärzte der New York Medical Academy (1968).

Er starb am 26. August 1968 in Lebanon/New Hampshire, USA und ist am Riverside Cemetery in Woodstock, Windsor, Vermont begraben.


Lit.: DÖW 6802b; CZEIKE Bd. 1, 1992; WrStLA, Meldezettel (WAIS); Österreichisches Staatsarchiv(ÖStA)/Archiv der Republik (AdR)/ Finanzen/ Entschädigungs- und Restitutionsangelegenheiten/ Hilfsfonds; Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)/Archiv der Republik (AdR)/Finanzen/Entschädigungs- und Restitutionsangelegenheiten/ Vermögensverkehrsstelle/ Vermögensanmeldungen; freundlicher Hinweis von Dr.in Barbara Sauer, Wien 2019; REITER-ZATLOUKAL/SAUER 2022.

Herbert Posch




zuletzt aktualisiert am 22.07.2021

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