Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Gertrude Boehm (geb. Rie)

  • Geb. am: 19. November 1897
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Gertrude BöHM (geb. RIE), geb. am 19. November 1897 in Wien/Österreich-Ungarn, war die Tochter von Dr. Alfred Rie und und Johanna Rie, geb. Karplus und hatte an der Universität Wien Chemie studiert. Am 18. Februar 1921 hatte sie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. phil. in Chemie erworben (Dissertation: "Versuche zur Darstellung des Mallithsäuretrianhydrids und eine neue Darstellung der Mellithsäure").

Drei Jahre später heiratete Dr. Gertrude Rie am 16. Juli 1924 in Wien Alsergrund den 1921 geschiedenen Victor Karl Böhm und lebte in Wien 6., Mariahilfer Straße 97.
Obwohl sie am 7. Jänner 1926 aus der Israelitischen Kultusgemeide ausgetreten war, wurde sie im Nationalsozialismus als Jüdin verfolgt und musste aus Österreich fliehen.

Nach dem "Anschluss" 1938 konnten sie nach England/Großbritannien emigrieren.

Im Februar 1941 wurde ihr vom Reichsinnenministerium die Deutsche Staatsangehörigkeit aus rassistischen Gründen aberkannt. Infolge dessen forderte das Reichserziehungsministerium Berlin am 18. Februar 1941 die Universität Wien auf, ihr nun auch den akademischen Grad abzuerkennen, woraufhin ihr die Universität Wien am 28. Februar 1942 den 1921 erworbenen philosophischen Doktorgrad aus rassistischen Gründen aberkannt, da sie im Nationalsozialismus "als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig" galt

Erst 13 Jahre nach der Aberkennung und lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihr der Doktorgrad am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für 'von Anfang an nichtig' erklärt.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Rigorosenprotokoll PHIL RigProt Phil 4950, Promotionsprotokoll PHIL 1924–1939 Nr. 4824, Rektorat GZ 1649 ex 1939/40/41; POSCH 2009, 275, 459; www.genteam.at; www.genteam.de; www.ancestry.de.


Herbert Posch

 

 


Dokumente

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zuletzt aktualisiert am 24.01.2022

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