Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Ernst Heinrich Leonhard Albert

  • Geb. am: 28. September 1908
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Ernst Heinrich Leonhard ALBERT, geb. am 28. September 1908 in Wien als Sohn des Philosophen und Schriftstellers Dr. Georg Albert (1869-1943) und Enkel des Chirurgen Prof. Dr. Eduard Albert (1841-1900), hatte an der Universität Wien Rechtswissenschaften studiert und am 17. November 1933 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. iur. erworben.

Er lebte damals in Wien 9., Spitalgasse 1/Alser Straße 6, zog aber bereits im Juni 1936 nach Berlin und wohnte dort zuletzt in Berlin-Charlottenburg, Leibnizstraße 57. Er wurde im Nationalsozialismus aus politischen Gründen verfolgt, konnte aber nach London, England/Großbritannien emigrieren, woraufhin ihm am 3. September 1941 die Deutsche Staatszugehörigkeit entzogen wurde (verlautbart im Deutschen Reichsanzeiger Nr. 208 vom 6. September 1941). Als Rechtsfolge wird davon wiederum wird ihm am 17. Juli 1942 auch der akademische Doktorgrad aberkannt (gem. 2. Durchführungsverordnung vom 29. März 1943 zum Gesetz über die Führung akademischer Grade vom 14.Juli 1933), da er im Nationalsozialismus "als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig" galt.

Erst 13 Jahre nach der Aberkennung und lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für "von Anfang an nichtig" erklärt.

Ernst Heinrich L. Albert war verheiratet mit Amelia L. Albert (geb. 1. Juni 1911), lebte bis Mitte der 1950er Jahre in der Londoner City of Westminster, St. Marylebon (St. John's Wood Road 27) und konnte in London anfangs nur als Schriftsteller und Übersetzer arbeiten, wurde aber im Jänner 1946 britischer Staatsbürger. Er lebte später mit seiner Frau im Londoner Stadtteil Camden, in Hampstead (Well Road 17) und war Direktor im Auswärtigen Amt. Er wurde zum Esquire ernannt und bei den Neujahrsehrungen 1963 auch zum Officer des Ordens des British Empire (OBE).

Er starb am 2. April 1989 in London, England/Großbritannien. 


Lit.: POSCH 2009, 366; Archiv der Universität Wien PromProt IUS 1924-1939, Nr. 2857, Rektorat GZ 118/97 ex 1941/42, GZ 561 ex 1944/45; Gerold Holzer/Helena Kokešov á 2020; Helena Kokešová, Eduard Albert: Ein böhmischer Intellektueller in Wien, Wien 2021, 27, 220, www.ancestry.de.


Herbert Posch


Dokumente

Doktorgradaberkennungsbescheid für Dr. iur Ernst Heinrich Leonhard ALBERT vom 26. Mai.1942, Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienDoktorgradaberkennungsbescheid für...
Reichserziehungsministerium an Rektorat Universität Wien am 1. August 1941, Mitteilung Staatsbürgerschaftsaberkennung für Dr. iur Ernst Heinrich Leonhard ALBERT und Aufforderung Doktoratsaberkennung, Foto: H. Posch, © Archiv der Universität WienReichserziehungsministerium an Rekt...
Reichserziehungsministerium an Rektorat Universität Wien am 10. September 1941, Mitteilung Staatsbürgerschaftsaberkennung Dr. iur Ernst Heinrich Leonhard ALBERT und Aufforderung Doktoratsaberkennung, Foto: H. Posch, © Archiv der Universität WienReichserziehungsministerium an Rekt...



zuletzt aktualisiert am 16.04.2021

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