Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Kurt Mende

  • Geb. am: 12. Juli 1917
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Kurt MENDE, geb. am 12. Juli 1917 in Graz, Steiermark/Österreich-Ungarn (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Leopold Mende (Major i.P., verstorben), hatte am 17. Juli 1936 am katholischen Privat-Realgymnasium (Marieninstitut) in Graz maturiert und begann anschließend seine Offiziersausbildung an der Militärakademie in Wiener Neustadt.

Nach dem "Anschluss" 1938 wurde er aus rassistischen Gründen als sogenannter "Mischling 2. Grades" verfolgt, konnte aber – bei jederzeitigem Widerruf – nach dem erzwungenen Abbruch der Militärausbildung über Vermittlung von Verwandten vorläufig ein Studium der Chemie an der Universität Wien aufnehmen und war im Wintersemester 1938/39 an der Philosophischen Fakultät im 1. Studiensemester inskribiert und belegte Vorlesungen in Chemie, Physik und Mathematik und noch einige Zeit fortsetzen.
Er wohnte 1938 in Wien 5, Laurenzgasse 4 (bei seinem Verwandten, dem Chemiker Dr. Viktor Raschka) dann Wien 3, Rechte Bahngasse 28/8.

Als "Mischlinge" ab dem 1. Trimester 1940 ein Gesuch an das Reichserziehungsministerium Berlin um Studienzulassung stellen mussten, reichte auch Kurt Mende ein entsprechendes Ansuchen ein. Das verpflichtende persönliche und fachliche Gutachten des Dekans wurde in diesem Fall von Prof. Ernst Späth, Leiter des Chemischen Instituts, erstellt, der am 18. März 1940 feststellte:

"Mende Kurt (Mischling II. Gr.) arbeitet am II. Chemischen Universitätslaboratorium. Er hat die Blitzprüfung mit dem Kalkül "Gut" abgelegt und die Probeanalyse bestanden. Er ist praktisch gut, theoretisch schwächer und arbeitet gegenwärtig in der quantitativen Abteilung."

Das Gesuch wird am 29. März 1940 von Rektor Knoll an das Reichserziehungsministerium weitergeleitet und bereits am 24. April 1940 erfolgte die Genehmigung zum Weiterstudium.
Doch wurde er im Sommersemester 1942 zur "Frontbewährung" in die Wehrmacht eingezogen und vom Studium "beurlaubt". Kurz darauf ist er noch im Sommer 1942 gefallen.

Im Sommersemester 1944 wäre er formal im 9. Fachsemester gewesen und wird in einer Aufstellung über die an der Universität Wien noch inskribierten "Mischlinge" vom 16. Mai 1944 noch als "beurlaubt zur Wehrmacht" angeführt - die Todesmeldung von 1942 war an die Universität Wien nicht bekannt.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1937-1939, Studentischer Personalakt S 186.2851, Rektorat GZ 944 ex 1939/40/41, Rektorat GZ 97/I ex 1944/45, PHIL GZ 743 ex 1939/40; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 437; freundlicher Hinweis von seiner Großcousine Mag.a Ute Nozicka, geb. Raschka, Wien 10/2020.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Kurt Mende, Wintersemester 1938/39 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Kurt Mende, Wintersem...
Nationale von Kurt Mende, Wintersemester 1938/39 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Kurt Mende, Wintersem...
Nationale von Kurt Mende, Wintersemester 1938/39 (2. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Kurt Mende, Wintersem...
Nationale von Kurt Mende, Wintersemester 1938/39 (2. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Kurt Mende, Wintersem...
Kurt Mende, studentischer Personalakt 1942, © Archiv der Universität WienKurt Mende, studentischer Personala...



zuletzt aktualisiert am 09.10.2020

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