Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

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Richard Lederer

  • Geb. am: 11. Juni 1885
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Richard LEDERER, geb. am 11. Juni 1885 in Karlsbad/Böhmen, Österreich-Ungarn [Karlovy Vary, Tschechien], Sohn von Gustav (1884-1917) und Rosa (geb. Mayer, 1861-1940) Lederer war seit 1923 Privatdozent für Kinderheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt, 1938 wurde seine Venia legendi widerrufen und er am 22. April 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.

Er hatte am 28. November 1908 an der Universität Wien promoviert (und war zuvor vom mosaischen zum röm.-kath. Glauben gewechselt) und sich 1923 zum Privatdozenten für Kinderheilkunde habilitiert. Er arbeitete als Assistent an der Kinderklinik in Straßburg und am Kaiser Franz Josefs-Spital, war Leiter des Kinderambulatoriums IX. der Wiener Bezirks-Krankenkasse und hatte eine Facharztpraxis in Wien 9., Alser Straße 18. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Fachbücher und Artikel wie "Kinderheilkunde" (Berlin 1924), "Die Ernährung des Säuglings an der Brust" (Wien 1926), bzw. zuletzt den Artikel "A new form of acute haemolytic anaemia, 'Baghdad spring anaemia'" (Bagdad 1941).

Richard Lederer hatte am 6. Mai 1914 in einer konfessionslosen Ziviltrauung Dr. Elsa Schornstein geheiratet (geb. 21 April 1881 in Neusandez, Galizien, Österreich-Ungarn [Nowy Sącz/Polen], gest. 1965 in England), die 1910 an der Universität Krakau in Medizin promoviert hatte und sie hatten eine Tochter, Maria.

1938 emigrierte Richard Lederer nach Bagdad im Irak. Seine Tochter Maria floh nach England, 1939 gefolgt von ihrer Mutter, Dr. Elsa Lederer (gest. 1965), und beide wohnten später in Watchfield Court, Sutton Court Road. Nach Angaben seiner Tochter Maria Hull (geb. Lederer), wurde Richard Lederer als persönlicher Kinderarzt des Sohnes und Erben des Haschemitischen Königs Ghazi I. (gest. 1939) von Irak berufen, dem Kronprinzen Faisal, der im Folgejahr mit nur 4 Jahren als König Faisal II inthronisiert wurde (ermordet beim Putsch 1958). Richard Lederer wurde auch Professor am Kinderspital des Royal College of Medicine in Bagdad.

Er entdeckte im Irak auch eine neue Form akuter hämolytischer Anämie für die er den Namen "Baghdad spring anaemia" vorschlug. Doch kurz darauf erkrankte er an einer schweren und unheilbaren Hautkrankheit und starb noch 1941.

 

Lit.: MERINSKY 1980, 134-135; UB MedUni Wien/van Swieten Blog, AJR Journal 2011, Mai, August und September; STAUDACHER 2009, 357; KAGAN 1952; FISCHER 1932/33/II; BLUMESBERGER 2002, 802.

Herbert Posch


Dokumente

Richard Lederer aus Kosic, 1935, S. 221Richard Lederer aus Kosic, 1935, S....
Richard Lederer an Medizinisches Dekanat am 2. april 1938, (c) Archiv der Universität Wien, Foto: Herbert PoschRichard Lederer an Medizinisches De...



zuletzt aktualisiert am 15.01.2018

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