Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Hugo Frey

  • Geb. am: 30. Dezember 1873
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Hugo FREY, geb. am 30. Dezember 1873 in Wien, gest. am 1. März 1951 in London, war 1938 Privatdozent (Pd., tit.ao.Prof.) für Ohrenheilkunde mit dem Titel eines ausserordentlichen Professors an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Hugo Frey hatte in Wien Medizin studiert und am 9. Juli 1898 zum "Dr.med." promoviert, arbeitete anschließend bei Prim. Albert von Mosetig von Moorhof (1838-1907) am Wiener AKH und an der dermatologischen Univ.-Klinik bei Prof. Moriz Kaposi (1873-1902) und wurde Assistent des Otologen Prof. Ádám Politzer (1835-1920).
1906 hatte er sich für Ohrenheilkunde habilitiert und wurde 1909 Abteilungsvorstand am Kaiser-Franz-Josef-Ambulatorium und heiratete im Dezember 1909 Friederike Brandeis-Weikersheim (1882 Wien-1972 London). Er diente im Ersten Weltkrieg als Bataillonsarzt, Kriegschirurg und Stabsarzt. Er forschte zur Anatomie, Physiologie, Pathologie und Chirurgie der Gehörorgane sowie zur Oto-Neurologie, veröffentlichte über 100 wissenschaftliche Beiträge im In- und Ausland und 1921 wurde ihm der Titel (aber nicht die Funktion) eines "ausserordentlichen Professors" verliehen.

Der aus einer jüdischen Ärztefamilie stammende Hugo Frey (Vater Primararzt am Krankenhaus der Wiener Kaufmannschaft Dr. Moriz Frey (1833-1889), Mutter Regine Frey, geb. Benedikt (1843-1914)) wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und am 22. April 1938 seines Amtes enthoben ("Venia legendi widerrufen") und von der Universität Wien vertrieben.

Er musste aus Österreich fliehen und konnte noch rechtzeitig mit seiner Frau und seinen Kindern Aline Martina (1916-1975, verh. mit Frank E. Figgures) und Hubert Frey (später: Fraser) (1918) und seiner Schwiegermutter nach London/Großbritannien emigrieren. Er war Mitglied der Association of Austrian Doctors in Great Britain, konnte aber in England nicht mehr praktizieren. Seine Tochter Lady Aline Martina Figgures, wanderte 1948 mit ihrem Mann und Sohn 1948 in die USA aus und kehrte erst 1973 wieder nach Großbritannien zurück.

Prof. Dr. Hugo Frey starb am 1. März 1951 in London, England und wurde in Camden, London, England/Großbritannien bestattet.


Lit.: Archiv der Universität Wien, Personalblatt S 304.304, MED GZ 1097 ex 1937/38 ONr. 76; FISCHER 1932/1933; GOLD 1971, 131; MERINSKY 1980, 62-64; MÜHLBERGER 1993, 20; MedUni Wien/van Swieten BlogGAUGUSCH 2011, 155, 301; freundliche Information von Diana Fraser, England 05/2022.


Herbert Posch


Dokumente

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Prof. Hugo Frey, UAW 106.I.915, (c) Archiv der Universität WienProf. Hugo Frey, UAW 106.I.915, (c)...



zuletzt aktualisiert am 11.05.2022

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