Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Ludwig Sallmann

  • Geb. am: 08. Juni 1892
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Ludwig SALLMANN, geb. am 8. Juni 1892 in Wien, war 1938 Dozent für Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er wurde im Nationalsozialismus aus politischen Gründen verfolgt, 1938 wurde seine Venia legendi widerrufen und er am 2. Dezember 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.

Sallmann besuchte das Staatsgymnasium in Prag sowie das Währinger Staatsgymnasium in Wien, inskribierte 1911 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und rückte 1914 in den Ersten Weltkrieg aus, wo er in der Kriegsmarine diente. Nach Kriegsende nahm er sein Studium wieder auf und promovierte 1919. Daraufhin fungierte er als Hilfsarzt an der III. Medizinischen Universitätsklinik, ab November 1919 in gleicher Eigenschaft an der II. Universitätsaugenklinik in Wien. Von Mai 1922 bis März 1930 war er an ebendieser Klinik als ao. Assistent tätig, und wurde im April 1930 zum unbesoldeten Assistenten bestellt. Damit einhergehend übernahm er für ein Jahr die Leitung der Augenklinik am Union Medical College in Peking, um nach seiner Rückkehr nach Wien wiederum als ao. Assistent an der II. Augenklinik weiterbestellt zu werden. [1]

1938/39 fungierte er als Vorstand der Augenabteilung am Kaiserin-Elisabeth-Spital in Wien.[2] Nachdem 1938 seine venia legendi aus "rassischen" Gründen widerrufen wurde,[3] emigrierte er im Jahr darauf in die USA, wo er vorerst als Laboratoriumsdirektor am Hermann Knapp Memorial Eye Hospital in New York tätig war und 1940 in das College of Physicians and Surgeons der Columbia University eintrat: Hier wirkte er in den ersten fünf Jahren als Research Associate und Research Assistant für Ophthalmologie und von 1946 bis 1955 als Mitglied des Department of Opthalmological Research. Dabei avancierte er 1945 zum Associate Professor und 1955 zum Professor für Ophthalmologie. Neben seiner Funktion an der Columbia University war er außerdem an der der Vanderbilt Eye Clinic des Columbia Presbyterian Hospitals in New York tätig, dem er von 1956 bis 1970 vorstand. Seine wissenschaftliche Tätigkeit sollte damit aber noch kein Ende nehmen, unternahm er doch weiterhin neurophysiologische Forschungen am National Institute of Neurological Disease and Stroke.[4] 1960 war er anlässlich der Besetzung der II. Universitäts-Augenklinik in Berufungsverhandlungen mit der Universität Wien gestanden, die aber letzten Endes aufgrund der unzureichenden Erstattung der Übersiedlungskosten scheiterten. [5]

Er war u. a. Fellow der New York Academy of Sciences, Mitglied der American Opthalmology Society, Ehrendoktor der Universität Marseille (1952) und der Universität Wien (1969) und Inhaber des Braille Award der National Society for Prevention of Blindness (1959). [6]

Er starb 1975.


Lit.: ÖStA/AVA, PA Sallmann; RÖDER 1983; MERINSKY 1980; MÜHLBERGER 1993, 30; ARIAS 2005; UB MedUni Wien/van Swieten Blog.


Andreas Huber


[1] ÖStA/AVA, PA, BMU GZ 14038-I/2-1932, Curriculum vitae, o. D.




zuletzt aktualisiert am 09.05.2022

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