Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

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Karl Menger

  • Geb. am: 13. Jänner 1902
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Karl MENGER, geb. am 13. Jänner 1902 in Wien, gest. am 5. Oktober 1985 in Chicago, war ao. Prof. für Mathematik an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Der Mathematiker, Philosoph und Nationalökonom und Mitglied des berühmten "Wiener Kreises" rund um Moritz Schlick war der Sohn des Mathematikers Prof. Carl Menger (1840-1921).

Karl Menger maturierte am Döblinger Gymnasium 1920, studierte dann Mathematik an der Universität Wien bei Prof. Hans Hahn, theoretische Physik bei Prof. Hans Thirring und Philosophie bei Prof. Moritz Schlick. Er promovierte 1924 zum "Dr.phil." in Mathematik. Anschließend ging er als Assistent von Luitzen E. J. Brouwer an die Universität Amsterdam wo er sich 1925 habiölitierte. 1927 habilitierte er sich an der Universität Wien für Geometrie und wurde bereits 1928 zum außerordentlichen Professor ernannt. Zahlreiche Vortrags  und Studienreisen führten ihn u. a. auch nach Harvard (1930/31) und für das Studienjahr 1937/38 als Gastprofessor an die katholische Privatuniversität Notre Dame (Indiana/USA).

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und vertrieben und telegrafierte unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich 1938 aus Indiana/USA nach Wien, dass er seine Professur zurücklege.

Er wurde 1942 amerikanischer Staatsbürger und war von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1971 Professor für Mathematik am Illinois Institute of Technology in Chicago. Eine Rückberufung an die Universität Wien kam nicht zustande. Zahlreiche Gastprofessuren führten ihn z. B. nach Paris (1951), Arizona (1961) und Ankara (1968) aber 1963 und 1964 auch nochmals an die Universität Wien und er wirkte auch am neugegründeten ausseruniversitären Institut für Höhere Studien in Wien.

1998 wurde eines der Tore der Erinnerung am Campus der Universität Wien nach ihm und seinem Vater Carl Menger "Menger-Tor" benannt (Tor zwischen Hof 1 und 4).

Am 7. Oktober 2009 wurde sein Name der Ehrentafel des Mathematischen Instituts der Universität Wien hinzugefügt, die sich heute im neuen Gebäude der Fakultät für Mathematik, am Oskar Morgenstern Platz 1 befindet.


Lit.: MÜHLBERGER 1993, 44; MAISEL 1998b, 175-176; Archiv der Universität Wien, PHIL Personalakt; Neue Deutsche Biographie (NDB) 17, Berlin 1994, 74-75.


Herbert Posch


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zuletzt aktualisiert am 13.06.2019

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