Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Eugenie Steuerman (verh. Giselle E. von Grunebaum)

  • Geb. am: 21. Dezember 1917
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Eugenie STEUERMAN (verh. Giselle Eugenie von GRUNEBAUM), geb. am 21. Dezember 1917 in Wien (heimatberechtigt in Drohobyez/Polen, Staatsbürgerschaft 1938: Polen), Tochter von Markus Steuermann (Kaufmann), wohnte in Wien 20, Nordbahnstraße 10/12, war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Philosophischen Fakultät inskribiert und belegte Vorlesungen in Alter Geschichte und Orientalistik.

Sie wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Sie musste aus Wien fliehen, konnte auch ihren Verlobten Dr. Gustav Edmund von Grunebaum (1909–1972) nicht mehr heiraten, der umgehend über England in die USA emigrierte und konnte selbst erst im April 1939 nach England emigrieren, wo sie in London, Cambridge und Liverpool lebte und ihr Studium an der University of London 1939–1941 fortsetzen konnte. Inzwischen arbeitete ihr Verlobter seit 1938 als assistant professor of Arabic and Islamic studies am Asia Institute New York. Im Juli 1941 konnte Eugenie Steuerman endlich aus England ausreisen und über Trinidad, Uruguay und Argentinien endlich in die USA gelangen, wo sie im August 1941 in New York City, NY, ankam. Kurz darauf konnten sie und ihr Verlobter am 9. September 1941 in Washington D.C. heirateten. Ihr Mann wechselte 1943 als assistant professor an das Oriental Institute der Uni-versity of Chicago, Illinois, wo er bald associate professor (1946) und full professor (1949) wurde und bis 1957 blieb (unterbrochen von einigen europäischen Gastprofessuren, u.a. an der Universität Frankfurt/Deutschland). Giselle von Grunebaum war am 23. Jänner 1945 amerikanische Staatsbürgerin geworden und bekam zwei Töchter: Tessa Jennifer (1948) und Claudia Constance (1951).

Ihr Mann erhielt 1957 an der University of California at Los Angeles (UCLA) eine Professor für Geschichte und wurde als führender Experte für klassische Islamische Kultur zum Gründungsdirektor des Near Eastern Center der UCLA (das später nach ihm benannt wurde).
In Los Angeles begann Giselle von Grunebaum wieder zu studieren und erwarb an der UCLA den "B.A." und den "M.A." in Library Science. Sie arbeitete dann als Bibliothekarin an der UCLA, ab Mai 1968 in der Erwerbsabteilung, leitete ab 1975 die Geschenke- und Austauschabteilung und war ab 1978 als Full Librarian an der Universitätsbibliothek der UCLA. Sie war auch lange Jahre aktiv in der UCLA Faculty Women Association und der UCLA Emeriti Association.

Giselle Eugenie von Grunebaum, geb. Steuermann, starb am 14. August 2001 in Los Angeles und ist am Westwood Memorial Park in Los Angeles, Kalifornien/USA bestattet.


Lit.: Archiv der Universität Wien / Nationale PHIL 1937–1938; Austrian Heritage Collection am Leo Baeck Institute New York; RÖDER 1983, 430f. (Edmund von Grunebaum); POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 484; 20. Wiener Restitutionsbericht 2019 v. 11. November 2020, 28–56; Nachruf in The Los Angeles Times vom 17. August 2001; www.ancestry.de.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Eugenie Steuerman, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Eugenie Steuerman, Wi...
Nationale von Eugenie Steuerman, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Eugenie Steuerman, Wi...



zuletzt aktualisiert am 24.10.2021

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