Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Paula Bergstein (verh. Kampf)

  • Geb. am: 13. März 1915
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Paula BERGSTEIN (verh. KAMPF), geb. am 13. März 1915 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Tochter von Jacob Josef Bergstein (Kaufmann, 1887-1942) und Dora Dobrisch Bergmann (geb. Kalenberg, 1890-1942), wohnte in Wien 13, Linzer Straße 54. Sie hatte am Mädchen-Reform-Realgymnasium Wien 13 im Sommer 1934 die Reifeprüfung (Matura) bestanden und inskribierte im Wintersemester 1934/35 an der Universität Wien Pharmazie, wechselte aber noch im gleichen Semester zu Germanistik und Anglistik und war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Philosophischen Fakultät im 7. Studiensemester inskribiert und belegte Vorlesungen in Geschichte, Germanistik und Anglistik.

Sie wurde im Nationalsozialismus nach dem "Anschluss" aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Paula Bergstein musste aus Wien fliehen, konnte am 7. Dezember 1939 in Wien ein US-Visum erhalten. Sie konnte noch rechtzeitig in die Niederlande ausreisen und von Rotterdam/Niederlande am 25. Juli 1939 mit der SS Statendam in die USA emigrieren, wo sie am 1. August 1939 in New York City, NY/USA ankam (gemeinsam mit ihrer 1923 geborenen Schwester Lisa "Lizzy") und Kontakt zu ihrem Cousin, I. Feuer, in 947 Montgomerystr., Brooklyn, NY aufnahm.
Paula Bergstein lebte in 39 W., 91 str., New York City, konnte ihr Studium nicht fortsetzen oder abschließen, arbeitete als Schneiderin und heiratete in Manhattan, New York City am 17. Mai 1941 den Wiener Emigranten Max Kampf (1912-1987) und lebte mit ihm in New York 373 Central PArk West, NYC, NY. Am 5. Februar 1945 wurde Paula Kampf US-Staatsbürgerin und lebte in 544 W. 157th str., New York City/NY.

Ihre Eltern konnten nicht mehr rechtzeitig Wien verlassen - in den Einzahlungskarten des Jewish Transmigration Bureau (JDC) kann man noch erkennen, dass Paula Bergstein aus New York ein Affidavit erteilt und  bereits für die Kosten der Schiffspassagen für beide ab 6. März 1941 im NYK-Settlementfund eingezahlt hatte, doch bevor ihre Ausreise administrativ umgesetzt werden konnte, wurden beide am 4. September 1942 von Wien 12, Gierstergasse 12/11 nach Izbica bei Krasnystaw, Lublin/Polen deportiert und dort kurz nach der Ankunft ermordet.

Paula Kampf, geb. Bergstein, starb am 15. Mai 1996 in Flushing, Queens, NY und ist am dortigen Mount Hebron Cemetery beigesetzt.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1937-1938; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 361; www.genteam.at; www.ancestry.de; collections.arolsen-archives.org.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Paula Bergstein, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Paula Bergstein, Wint...
Nationale von Paula Bergstein, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Paula Bergstein, Wint...



zuletzt aktualisiert am 14.09.2021

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