Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Max Schwarz

  • Geb. am: 06. September 1917
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Max SCHWARZ, geb. am 6. September 1917 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), jüngste Sohn von Marcus Hersch Schwarz (ÖBB Oberrevisor) und Cili Schwarz, geb. Krumholz vel Führer, wohnte im Wiener Gemeindebau "Herweghhof", Wien 5, Margaretengürtel 82/II/5. Er hatte 1936 am Elisabethgymnasium (Realgymnasium V) in Wien 5., Rainergasse 39, die Reifepruefung (Matura) abgelegt und begann im Wintersemester 1936/37 an der Universität Wien Medizin zu studieren und war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Medizinischen Fakultät im 3. Studiensemester inskribiert (Wintersemester 1937/38 wurde ihm am 9. Februar 1938 als gültig angerechnet).

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium nach dem "Anschluss" abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Max Schwarz musste aus Wien flüchten und konnte nach Großbritannien emigrieren, lebte u.a. in Kingston, Surrey, wurde dort aber am 25. Juni 1940 als "enemy alien – refugee from Nazi oppression" interniert (Kitchener Camp, Richborough, Sandwich, Kent) und mit rund 2.800 internierten deutschen und österreichischen Flüchtlingen und Kriegsgefangenen am 10. Juli 1940 von Liverpool/England an Bord der HMT SS "Dunera" unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Sydney/Australien deportiert wo im September 1940 ankamen und erneut in Lagern rund um Tatura, Victoria und Hay, NSW (New South Wales), interniert wurden.
Max Schwarz kam am 6. September 1940 in das Lager bei Hay, Mitte Mai 1941 wurde er in das Lager 2 Tatura, Victoria verlegt. 1942 wurde er wie alle anderen jüdischen Flüchtlinge zum "friendly alien" erklärt und trat im Mai 1943 dem Labour Bataillon in Royal Park bei (8th Australian Labour Company of the Australian Military Forces / 8th Australian Employment Company) wo er und sein Freund Ulrich Laufer dann im Straßenbau und bei der Löschung der Schiffsfracht in Port Melbourne und beim Gütertransport zwischen den Rangierbahnhöfen und den Grenzorten von New South Wales / Victoria, Albury and Tocumwal, arbeiteten.

Private Max Schwarz und Private Ulrich Laufer kamen aber bei einem "local leave" zwschen Weihnachten und Neujahr ums Leben, als sie sich vor der Australischen Hitze im nahen Fluß Murray abkühlen wollten, und ertranken.

Sie starben am 30. Dezember 1943 im Fluß Murray, NSW/Australien. Beide wurden am Central Cemetery von Tocumwal/Australien begraben.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale MED 1936-1938; National Australian Archives (NAA)/MP1103/1 (POW/internee), NAA/MP1103/2 (internment report), NAA/B884 (service record); POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 472; freundlicher Hinweis von Christine Kanzler und Elisabeth Lebensaft, Projekt "Dunera-Boys", Wien 12/2015, und von Peter M. Allen, Australien 03/2021 und 10/2021, www.genteam.at, www.ancestry.de.


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Max Schwarz, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Max Schwarz, Winterse...
Nationale von Max Schwarz, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Max Schwarz, Winterse...



zuletzt aktualisiert am 28.11.2021

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