Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Franziska Kisch (verh. Reininghaus)

  • Geb. am: 23. Oktober 1912
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Franziska KISCH (später verh. REININGHAUS), geb. am 23. Oktober 1912 in Linz/Oberösterreich (heimatberechtigt in Österreich, Staatsbürgerschaft: Österreich), Tochter von Oskar Kisch (Privatbeamter) und Helene Kisch (geb. Svoboda), wohnte in Wien 2., Negerlegasse 1, war zuletzt im Wintersemester 1938/39 an der Medizinischen Fakultät im 11. und letzten Studiensemester inskribiert (Absolutorium ausgestellt am 6. Februar 1939).

Nach dem "Anschluss" 1938 wurde sie - obwohl röm.-kath. - aus rassistischen Gründen als sogenannter "Mischling 1. Grades" verfolgt, konnte aber vorläufig – bei jederzeitigem Widerruf – ihr Studium noch fortsetzen.
Nachdem sie erfolgreich alle strengen Prüfungen ("Rigorosen") abgelegt und alle studienrechtlichen Anforderungen zur Promotion erfüllt hatte, konnte sie am 10. Februar 1939 doch noch promovieren, allerdings ohne damit die Berufsberechtigung zu erlangen sondern vielmehr bei gleichzeitig ausgesprochenem Berufsverbot im gesamten Deutschen Reich.

Erst nach dem Ende des Nationalsozialismus konnte sie ihre Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe aufnehmen, arbeitete als Assistentin an der Frauenklinik in Wien-Gersthof und später als Ambulatoriumsärztin der Wiener Gebietskrankenkasse und konnte im Mai 1951 abschließen und eröffnete im Juli 1951 ihre Praxis in Wien 9., Porzellangasse 45. Nach ihrer Heirat mit Manfred Adalbert Moritz Reininghaus (1914-2007) ordinierte sie als Franziska Reininghaus.

Franziska Reininghaus, geb. Kisch, starb 98jährig am 13. April 2011 und ist am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.


Lit.: Archiv der Universität Wien/Nationale MED 1937-1939, MED Promotionsprotokoll M 33.13, Nr. 4341; POSCH/INGRISCH/DRESSEL 2008, 416, REITER-ZETLOUKAL/SAUER 2019, freundlicher Hinweis von Dr.in Babrara Sauer, Wien 07/2019; Friedhöfe Wien/Verstorbenensuche.[https://www.friedhoefewien.at/grabsuche_de].


Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Franziska Kisch, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Franziska Kisch, Wint...
Nationale von Franziska Kisch, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Franziska Kisch, Wint...
Fransika Kisch, MED Promotionsprotokoll 1939, Nr. 4341 © Archiv der Universität Wien M 33.13Fransika Kisch, MED Promotionsproto...



zuletzt aktualisiert am 12.10.2019

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