Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Reginald Parker (früher: Bettauer)

  • Geb. am: 23. August 1904
  • Fakultät: Juridische Fakultät
  • Kategorie: Doktorgradaberkennung

Reginald Parker BETTAUER (später: Reginald PARKER), geb. am 23. August 1904 in Phoenicia, Ulster County, New York, USA als Sohn des österreichischen Schriftstellers und Zeitungsherausgebers Hugo Bettauer (1872-1925), der 1925 in Wien einem antisemitischen Mordanschlag zum Opfer fiel. Er hatte am 1. Juli 1927 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. iur. erworben, und änderte 1933 seinen Namen von Reginald Parker BETTAUER in Reginald PARKER. Am 13. Juni 1935 eröffnete er eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien 1, Annagasse 3a. Er heiratete die Rechtsanwaltsanwärterin Dr. Hedwig Parker (geb. Kobler, 1907-1997) und am 30. Jänner 1937 wurde ihre Tochter Evelyn Parker in Wien geboren.

Nach dem "Anschluss" wurde er aus rassistischen Gründen verfolgt und aufgrund des NS-Reichsbürgergesetzes aus der Liste der Wiener Rechtsanwälte gestrichen. Er konnte am 15. April 1938 gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter die USA emigrieren.

Alle drei wurden mit Verlautbarung im Deutschen Reichsanzeiger Nr. 241 vom 14. Oktober 1942 aus dem Deutschen Reich zwangsausgebürgert, verloren ihre Staatsangehörigkeit und wurden staatenlos. Am 11. September 1943 wurde ihm daraufhin der Grad aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus 'als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig' galt.

Reginald Parker betrieb ab November 1948 die Wiederverleihung seines Doktorgrades und er ersuchte Anfang 1949 über einen Wiener Anwalt darum bei der Universität Wien sowie um Ausstellung eines entsprechenden Doktordiploms. Beides wird innerhalb eines halben Jahres erledigt und der Doktorgrad wurde ihm am 7. Mai 1949 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für 'von Anfang an nichtig' erklärt.

Reginald PARKER lehrte in den USA am Department of Law der Willamette University in Salem/Oregon und war als Anwalt am Obersten Bundesgericht sowie an den Gerichten von Illinois, Massachusetts und im District of Columbia zugelassen. Er verfasste u.a. die Bücher "Das öffentliche Recht der Vereinigten Staaten von Amerika" und "Das Privatrecht der Vereinigten Staaten von Amerika" (Wien, 1960).

1951 wurde sein Antrag aus den USA auf ein Fulbright-Stipendium in Wien von Prof. Alfred Verdroß-Droßberg abgelehnt, der 1949 als Vorsitzender des Unterausschusses für die Wiederverleihung von Doktorgraden für die Wiederverleihung gestimmt hatte. Als Reginald Parker einige Jahre später nochmals um eine Kopie seines Doktordiploms ersucht, wird sie im Juli 1957 erstellt, diesmal ohne Anbringung des Aberkennungs- und Wiederverleihungsvermerkes, da nunmehr die Rechtsmeinung einhellig geteilt wurde, dass durch die rückwirkende Wiederverleihung "die Kontinuität der Innehabung des Doktorgrades nicht unterbrochen" war. Diesmal stimmte Prof. Verdross, nunmehr in der Funktion eines Senators der Juridischen Fakultät, für die feierliche Form des auf Büttenpapier gedruckten großen Diploms zu.

Reginald Parker starb im November 1967 in den USA.


Lit.: POSCH 2009, 455; KÖNIG 2009, 175; SAUER/REITER-ZATLOUKAL 2010, 11, 18, 263; Archiv der Universität Wien, Promotionsprotokoll IUR 1924-1939, ONr 642; Rektorat GZ 151 ex 1942/43, GZ 561 ex 1944/45, GZ 515 ex 1948/49; freundlicher Hinweis von Christine Karner, 2009.


Herbert Posch


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zuletzt aktualisiert am 21.06.2019

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