Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Friedrich Rappaport

  • Geb. am: 27. März 1901
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende

Friedrich RAPPAPORT, geb. am 27. März 1901 in Stanislau, Galizien (Österreich-Ungarn) [Iwano-Frankiwsk/Івано-Франківськ, Ukraine] und wohnte seit 1932 in Wien 18., Gentzgasse 19. Er hatte von 1919-1923 Chemie und Physik studiert und promovierte als Chemiker am 8. November 1923 an der Universität Wien zum "Dr. phil." mit einer Dissertation zu "Beiträge zur Kenntnis der Beziehungen zwischen Atomgruppierung und spezifischer Affinität". Er arbeitete ab 1928 bis zuletzt im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät als Assistent am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie (Leitung: Prof. Dr. Julius Rothberger) in Wien 9., Kinderspitalgasse 15.

Er wird mit Ende Mai 1938 als Assistent entlassen (Schreiben des Dekanats der medizinischen Fakultät am 27. Mai 1938). Es gelang ihm, gemeinsam mit seiner Frau, Dr. Dora Rappaport, geb. Ziffer (geb. 9. Jänner 1901), am 7. August aus Wien zu flüchten und nach Palästina [Israel] zu emigrieren. Sie lebten seit September 1938 in Tel Aviv.  Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören die Bücher "Mikrochemie des Blutes" (Wien/Leipzig 1935, mit einem Vorwort von Prof. Fritz Silberstein) und "Rapid microchemical methods for blood and CSF examinations" (1949). In Israel leitete er die bakteriologische Abteilung des Hadassah Hospital in Jerusalem.

Friedrich Rappaport starb am 17. Juli 1959 in Israel.

 

Lit.: freundlicher Hinweis von Mag. Barbara Sauer (Projekt "Ärzte und Ärztinnen in Österreich 1938-1945. Entrechtung, Vertreibung, Ermordung") 06/2016; FEIKES 1999; PERSONALSTAND 1937/38; VORLESUNGSVERZEICHNIS 1937/38; Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik/06-Finanzen/Hilfsfonds; Archiv der Universität Wien, PHIL Rigorosenakten; BLUMESBERGER 2002, 1093.

Herbert Posch


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zuletzt aktualisiert am 15.03.2017

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