Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Fritz [Frederick J.] Hacker

  • Geb. am: 19. Jänner 1914
  • Fakultät: Medizinische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Fritz HACKER, geb. am 19. Januar 1914 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Cornel AnthonyHacker (Kaufmann) und Johanna Carola Hacker und wohnte in Wien 1., Wallnerstraße 6. Fritz Hacker war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 9. Studiensemester inskribiert (Abgangszeugnis ausgestellt am 10. Mai 1938).

Nach dem "Anschluss" im März 1938 musste er aus rassistischen Gründen sein Studium abbrechen und die Universität Wien verlassen. Er musste vor den Nationalsozialisten aus Österreich fliehen und konnte 1938 erst in die Schweiz emigrieren, wo er sein Medizinstudium 1939 abschließen konnte und zum "Dr. med." promovierte. Er wurde Psychiater, Psychoanalytiker und Aggressionsforscher und als Frederick J. Hacker international bekannt.

1940 ging in die USA arbeitete an verschiedenen Kliniken angestellt bevor er 1945 die Hacker Psychiatric Clinic (Beverly Hills und Lynwood, Kalifornien) gründete sowie die Hacker Foundation (Beverly Hills), die 1952/53 von Theodor W. Adorno geleitet wurde. In Amerika arbeitete er auch mit den emigrierten Mitgliedern der Frankfurter Schule u. a. an der Untersuchung über den "autoritären Charakter". Später wurde er Professor für Psychiatrie an der University of Kansas sowie Professor für Psychiatrie und Rechtswissenschaften der Universität von Südkalifornien (USC) in Los Angeles.

1968 begründete Hacker in Wien die Sigmund-Freud-Gesellschaft, als deren erster Präsident er maßgeblich dazu beitrug, die langjährige Wohnung und Praxis Sigmund Freuds in der Wiener Berggasse 19 zu erhalten. Heute ist dort das Sigmund-Freud-Museum untergebracht.
Hacker war 1976 Gründer und wissenschaftlicher Leiter des "Instituts für Konfliktforschung" in Wien.

In den USA wurde Hackers Rat in spektakulären Verbrechensfällen gesucht, etwa beim Kidnapping von Patty Hearst, der Enkeltochter des amerikanischen Medienmoguls William Randolph Hearst oder bei der Geiselnahme des österreichischen Botschafters 1980 in Bogotá, bei der er die Terroristen zur Freilassung ihrer Geiseln überreden konnte. 1973 verhandelte er im Auftrag der österreichischen Regierung mit Terroristen, die die Passagiere eines Zuges in Niederösterreich in ihrer Gewalt hatten. Er konnte die Geiselnahme unblutig beenden. Friedrich Hacker wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch seine Publikationen zum Thema Aggression und Gewalt bekannt. Seine Bücher erreichten Millionenauflagen (ua.: Versagt der Mensch oder die Gesellschaft? Probleme der modernen Kriminalpsylchologie, Wien 1964; Aggression. Die Brutalisierung der modernen Welt, Reinbek 1977; Terror. Mythos, Realität, Analyse, Reinbek 1975; Das Faschismus-Syndrom. Analyse eines aktuellen Phänomens. Frankfurt/Main 1992).

Friedrich Hacker starb am 23. Juni 1989  in Mainz/Deutschland während einer Fernsehdiskussion beim ZDF zum Thema "Die Republikaner".

1971 wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, erhielt nach seinem Tod ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 76) und 2010 wurde in Wien Favoriten (10. Bezirk) die Hackergasse nach ihm benannt.

Lit.: freundlicher Hinweis von Mag.a Barbara Sauer, 2017 (Projekt "Ärzte und Ärztinnen in Österreich 1938-1945. Entrechtung, Vertreibung, Ermordung"); WikipediaNachruf LA-Times 30. Juni 1993http://www.nytimes.com/1989/06/30/obituaries/dr-f-j-hacker-75-a-psychiatric-expert-on-violence-in-man.htmlNachruf in der New York Times;  https://openlibrary.org/authors/OL2684626A/Frederick_J._Hackeropen library.

Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Fritz Hacker, Sommersemester 1938 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Fritz Hacker, Sommers...
Nationale von Fritz Hacker, Sommersemester 1938 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Fritz Hacker, Sommers...
Nationale von Fritz Hacker, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Fritz Hacker, Winters...
Nationale von Fritz Hacker, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Universitätsarchiv WienNationale von Fritz Hacker, Winters...



zuletzt aktualisiert am 19.06.2017

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