Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Egon Wellesz

  • Geb. am: 21. Oktober 1885
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Lehrende, Doktorgradaberkennung

Egon WELLESZ, geb. am 21. Oktober 1885 in Wien, gest. am 9. November 1974 in Oxford/Großbritannien, hatte am 24. Juni 1908 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien den Grad eines Dr. phil. in Musikwissenschaft erworben (Dissertation: 'Die Opern und Oratorien Guiseppe Bonnos; gedruckt 1909 in Sammelbände der internationalen Musikgesellschaft 11 in Leipzig). 

Der Komponist und Musikwissenschaftler, Schüler von Arnold Schönberg und Guido Adler, Freund von Anton von Webern wandte sich als Wissenschaftler von der Barockmusik ab und zirka 1920 der Byzantinistik zu und verfasste grundlegende Arbeiten dazu. Seit 1929 war er Privatdozent (ao. Prof.) für Musikgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. 1932 erhielt er ein Ehrendoktorat der Universität Oxford.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben. Er konnte mit seiner Ehefrau Emmy Wellesz und ihren gemeinsamen Töchtern Magda und Elisabeth nach Oxford/GB emigrieren, wo er auch wieder als Universitätsprofessor lehren konnte. 

Am 22. Juli 1943 wurde ihm - ebenso wie seiner Frau Emmy Wellesz - in Wien auch noch der Doktorgrad aus rassistischen Gründen aberkannt, da er im Nationalsozialismus 'als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig' galt.

Erst 12 Jahre nach der Aberkennung und lange nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm der Doktorgrad  am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt, bzw. die Aberkennung für 'von Anfang an nichtig' erklärt. 1961 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis und 1971 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.

Er verfasste über 10 Bühnenwerke, darunter: Alkestis, 1923 (Textbuch von H. von Hofmannsthal); Die Bakchantinnen, 1931. - Chor- und Orchestermusik, Messen, Lieder, Kammermusik, zahlreiche Publikationen (u.a. Arnold Schönberg, 1921; Der Beginn des musikalischen Barock und die Anfänge der Oper in Wien, 1922; Byzantinische Kirchenmusik, 1927; Die neue Instrumentation, 2 Bände, 1929; A History of Byzantine Music and Hymnography, 1949; Die Hymnen der Ostkirchen, 1962; war Mitherausgeber der Monumenta Musicae Byzantinae, 1935ff.

Lit.: Orpheus Trust; Stadler 2004 [1988], 616-621; Foto der Grabstätte von Egon und Emmy Wellesz am Wiener Zentralfriedhof; weitere Fotos auf www.egonwellesz.at; R. Schollum, Egon Wellesz, 1964; G. Schneider, Egon Wellesz, 1980; Autobiographie, 1981; C. Cepin Benser, Wellesz, 1985; D. Symons, Egon Wellesz, 1997; H. Heher (Redaktion), Egon Wellesz, Ausstellungskatalog, Wien 2000; Neue Österreichische Biographie.

 

Herbert Posch


Dokumente

Egon und Emmy Wellesz (c) www.egonwellesz.at [http://www.egonwellesz.at/wellesz_gallery.htm]Egon und Emmy Wellesz (c) www.egonw...



zuletzt aktualisiert am 25.07.2014

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