Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

person

Erna Mandel (verh. Wodak)

  • Geb. am: 30. November 1916
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Erna MANDEL (verh. WODAK), geb. am 30. November 1916 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Tochter von Aaron L. Mandel, Rabbiner in Favoriten, gest. 15. April 2003, wohnte in Wien 10, Gudrunstraße 142. Sie studierte ab 1934 Chemie an der Universität Wien, u.a. bei Hermann Mark. Sie war zuletzt im Wintersemester 1937/38 an der Philosophischen Fakultät im 7. Studiensemester inskribiert, ihr Antrag auf Weiterstudium im Rahmen des Numerus clausus für jüdische Studierende im Sommersemester 1938 wurde im Mai abgelehnt. Sie konnte im Juli 1938 nach England emigrieren. Ihre Aufzeichnungen für die Dissertation musste sie im Chemischen Laboratorium zurücklassen.
In Großbritannien arbeitete Erna Mandel zunächst als Hausmädchen und konnte dann ihr Chemiestudium an der Universität Liverpool mit einer Diplomarbeit und der Graduierung zum Master of Science abschließen. Aufgrund der Beziehung zu ihrem späteren Ehemann Walter Wodak, den sie 1939 kennengelernt hatte, wies sie das Angebot einer wissenschaftlichen Position in Chicago zurück. Sie verfasste eine Dissertation an der Universität Manchester, graduierte 1944 zum PhD und wirkte anschließend in London am Grosvenor Laboratory von Chaim Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation und später erster israelischer Staatspräsident, in der kriegswichtigen Ersatzstoffforschung.
Im Juli 1944 heiratete Erna Mandel in Oxford Walter Wodak, der 1946 in den diplomatischen Dienst der Republik Österreich in London eintrat. Als Diplomatengattin übernahm Erna Wodak in der Österreichischen Gesandtschaft repräsentative Aufgaben. Ihre eigene, wissenschaftliche Karriere - sie war als "senior research chemist" in den Cavendish Laboratories in London beschäftigt - musste sie 1947 zugunsten der Tätigkeit für die Österreichische Gesandtschaft aufgeben. 1950 zog das Ehepaar nach Wien, 1951 wurde Walter Wodak an die österreichische Gesandtschaft in Paris bestellt. Nachdem er 1953 Gesandter und ein Jahr später Botschafter in Belgrad/Jugoslawien wurde, kehrte er 1959 als politischer Direktor des Außenministeriums mit seiner Familie nach Wien zurück. Er wirkte ab 1964 als Botschafter in der Sowjetunion und wurde 1970 unter Bundeskanzler Bruno Kreisky Generalsekretär des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Unter seiner Beteiligung erfolgte die Gründung des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, in dessen Frauenkomitee Erna Wodak aktiv mitwirkte.
Nach dem Tod Walter Wodaks im Februar 1974 nahm Erna Wodak ihre wissenschaftliche Tätigkeit wieder auf und übernahm in dem Chemiekonzern Jungbunzlauer qualifizierte Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wie Patentprüfung, Produktdokumentation und Recherche von Fachliteratur. Sie leistete Pionierarbeit für die österreichisch-israelische Wissenschaftskooperation, indem sie vor allem für die Österreichische Gesellschaft der Freunde des Weizmann Institute of Science in Rehovot zahlreiche Forschungsprojekte initiierte. 1998 wurde sie zur 1. Vizepräsidentin der IIASA Gesellschaft gewählt.

Lit.: KUSCHEY 2008; freundliche Hinweise von Heimo Gruber, Ruth Wodak und John Wodak; IIASAKNIEFACZ/POSCH 2017b; KNIEFACZ/POSCH 2017c.

 

Herbert Posch


Dokumente

Nationale von Erna Mandel, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Vorderseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Erna Mandel, Winterse...
Nationale von Erna Mandel, Wintersemester 1937/38 (1. Formular Rückseite), Foto: H. Posch (c) Archiv der Universität WienNationale von Erna Mandel, Winterse...
Erna Mandel-Wodak (1916-2003), Meldungsbuch Universität Wien, (c) VGA, Nachlass Walter WodakErna Mandel-Wodak (1916-2003), Meld...
Erna Mandel-Wodak (1916-2003), (c) VGA, Nachlass Walter WodakErna Mandel-Wodak (1916-2003), (c) ...



zuletzt aktualisiert am 14.01.2017

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