PRÄAMBEL

 

 

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus, über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung. Des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt.

70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und ist sich zugleich der Mitverantwortung für dieses unfassbare Leid bewusst, das auch den Angehörigen der Universität Wien damals zugefügt wurde. Die Namen der entlassenen, vertriebenen und entrechteten Frauen und Männer sind in diesem Gedenkbuch erstmals verzeichnet. Es enthält die Namen jener, die aus sogenannten "rassischen" und/oder "politischen" Gründen als Lehrende entlassen oder als Studierende ausgeschlossen wurden, denen deshalb die Venia docendi oder der akademische Grad aberkannt wurde.


Die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien, unter Einschluss der inzwischen selbstständig gewordenen großen Medizinischen Fakultät, werden Teil des kollektiven Gedächtnis- und Erinnerungsraumes der heutigen vollrechtsfähigen Universität, die sich im vom Senat im Dezember 1999 beschlossenen Leitbild zur Verstrickung der Universität und ihrer Angehörigen in die Verbrechen des Nationalsozialismus bekennt. Die Universität Wien will auch in Zukunft "ein Ort sein, der Vielfältigkeit und Verschiedenartigkeit widerspiegelt und für ihre Entwicklung nutzen will. Vielfalt zeigt sich in verschiedenen Fähigkeiten und Lebensformen, bedingt durch Dimensionen wie Geschlecht, Alter, Bildungsschicht, kulturelle, ethnische und religiöse Zugehörigkeiten, sexuelle Orientierungen, Elternschaft, Behinderung oder Krankheit." (Entwicklungsplan 2008).


Dieses Gedenkbuch ist kein abgeschlossenes Werk, vielmehr Dokument und Anlass zur Erinnerung. Es wird weiter ergänzt werden. Trotz intensiver wissenschaftlicher Recherchen ist diese Namensliste und die begleitende ergänzende Online-Datenbank nicht vollständig, nicht abschließbar, sondern befindet sich in einem offenen Forschungsprozess, der in der Zukunft hoffentlich auch die Namen jetzt noch nicht bekannter und genannter Opfer des Nationalsozialismus zu Tage fördern wird, und sie damit Teil dieses Gedenkbuches werden lässt. In diesem Sinne sind die Projektverantwortlichen dankbar für entsprechende Hinweise und sind sich bewusst, dass vergangenes Unrecht damit nicht "wiedergutgemacht" werden kann. Es handelt sich hier um eine späte symbolische Initiative, die niemals beendet sein wird. Für die Gegenwart und Zukunft ist dieses Dokument gedacht als Erinnerung und zugleich als Mahnung an die Angehörigen der Universität: "Wehret den Anfängen"!