Präambel

An der Universität Wien wurden im Jahr 1938, mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet - Lehrende, Studierende und MitarbeiterInnen der Verwaltung, des weiteren wurde über 200 Personen der akademische Grad aberkannt. 70 Jahre nach dem sogenannten "Anschluß" und der Pogromnacht (zynisch: "Reichskristallnacht") erinnert die Universität Wien 2008 an dieses Unrecht und  ...

Herta Orenstein (später Orenski, geb. Bendetz)

  • Geb. am: 09. September 1912
  • Fakultät: Philosophische Fakultät
  • Kategorie: vertriebene Studierende

Herta ORENSTEIN (später: ORENSKI, geb. BENDETZ), geb. am 9. September 1912 in Bielitz/Österreich-Ungarn [Bielsko-Biała/Polen], war 1938 nicht mehr an der Philosophischen Fakultät inskribiert, sondern befand sich bereits im Stadium der Abschlussprüfungen. Sie hatte sich bereits am 18. Juni 1937 zu den Abschlussprüfungen ('Rigorosen') in Musikwissenschaft angemeldet und das erste Rigorosum am 5. Juli 1937 bestanden. Ihre Dissertation 'Die Refrainformen im Chansonnier de l‘Arsenal (Paris, Bibl. ars 5198). Ein Beitrag zur Formenlehre der Troubadour- und Trouvère-Melodien' war am 21. Juni 1937 approbiert worden. Am 18. Mai 1938 hatte sie auch das zweite Rigorosum bestanden. Sie konnte somit, nach längerer Unsicherheit, doch noch ihr Studium abschließen und am 21. Juli 1938 unter zahlreichen symbolischen Diskriminierungen im Rahmen einer 'Nichtarierpromotion' promovieren, bei gleichzeitig ausgesprochenem Berufsverbot im gesamten Deutschen Reich. 

Herta Orenstein, geb. Bendetz, war bereits vor ihrer Promotion verheiratet mit dem Mikrobiologen Dr. Stephan W. Orenstein/Orenski (Sohn von Großgrundbesitzers, Komponisten und Dirigenten Dr. Oskar Bruno Orenstein (1881-1916) eines bekannten polnischen Komponisten und Dirigenten), emigrierte nach Rumänien und lebte Bukarest. 1940 wurde dort ihr Sohn Peter geboren, im Juni 1960 emigrierte sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in die USA, wo sie bald darauf am 23. März 1961 in New York starb.

Ihr Mann wurde u.a. Mitarbeiter am Boyce Thompson Institute for Plant Research Yonkers, NY und von Prof. Karl Maramorosch, starb aber ebenfalls bereits am 4. Juli 1966.

Ihr Sohn Dr. Peter J. Orenski studierte an der Columbia University New York, wurde Chemiker und betrieb nach seiner Pensionierung die Flaggen- und Fahnenfirma TME in New Milford, CT/USA bis zu seinem Tod am 13. August 2016.

Herta Orenskis Dissertation von 1937 wurde 1970 als Band 19 der Wissenschaftliche Abhandlungen (Brooklyn, N.Y. Institute of Mediaeval Music) herausgegeben. 

 

Lit.: Archiv der Universität Wien, Rigorosenprotokoll Philosophische Fakultät; freundlicher Hinweis von Sophie Rault, Brittany/Frankreich 2018.

Herbert Posch


Dokumente

Herta Orenstein (Orenski, geb. Bendetz), Eintrag 2840 'Nichtarierpromotion' 21. Juli 1938, Promotionsprotokoll Philosophische Fakultät 1931-1941, Foto: Herbert Posch, (c) Archiv Universität WienHerta Orenstein (Orenski, geb. Bend...
Lebenslauf Herta Orenski, 1937, Rigorosenakt, (c) Universität WienLebenslauf Herta Orenski, 1937, Rig...
Lebenslauf Herta Orenski, 1937, Rigorosenakt, (c) Universität WienLebenslauf Herta Orenski, 1937, Rig...



zuletzt aktualisiert am 22.02.2018

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